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Sopra la panca la capra campa….

Klingt spanisch? Ist aber italienisch!

Genauer gesagt, der Beginn eines der vielen Sprichwörter, die wir aus der Q11 bei unserem diesjährigen Italienaustausch gelernt haben.

Unsere Austauschpartner hatten bereits im März eine Woche mit uns in Erlangen erlebt und durch die vielen gemeinsamen Unternehmungen wie Bowling, „diversi giri nelle cittá“ (Stadtführungen) durch Nürnberg oder Regensburg und weitere schöne Erlebnisse waren wir schon damals eine zusammengeschweißte richtige Gruppe, in der sich jeder mit jedem verstand.

Beim Abschied flossen so viele Tränen, dass wir uns gefragt haben, wie das erst am 29.4. werden solle, wenn unser Aufenthalt in Italien vorüber und der Austausch somit vollständig vorbei sein würde!

Aber daran wollte niemand denken; nach der Abfahrt der Italiener wurden erst mal ungeduldig die Tage im Kalender abgehakt, bis wir uns endlich wiedersehen würden.

Am 12.4. war es dann endlich soweit: Zu unmenschlichen Zeiten am frühen Morgen fuhren wir mit viel Gepäck und voller Vorfreude zwölf Stunden lang mit dem Bus nach Italien. Die Reise wurde durch Musik, viel Gelächter und einer zwischenzeitlichen Schneeballschlacht in den Alpen halbwegs erträglich, aber trotzdem waren wir froh, als wir endlich nach Alessandria abbogen.

Auf der „piazza“ erwartete uns ein großes Empfangskomitee: all unsere Freunde warteten ebenso ungeduldig wie wir und kaum waren die Bustüren geöffnet, fielen sich Deutsche und Italiener gegenseitig um den Hals (so wie es sich in Italien gehört mit Küsschen links und Küsschen rechts).

Von unseren Gastfamilien wurden wir aufs Herzlichste empfangen und die ganze Woche über liebevoll umsorgt und geradezu gemästet. Die Klischees über das italienische Essen sind alle wahr, bis auf das, dass man dort nur Pizza isst. Nein, das Essen war vielfältig, köstlich – und üppig!

Bei jedem Treffen tätschelten wir stöhnend unsere Bäuche und listeten auf, wie viele Gänge wir diesmal aufgetischt bekommen hatten, aber natürlich haben wir es genossen, kulinarisch so verwöhnt zu werden.

Neben der Küche haben wir auch einen Einblick in die italienische Schule  bekommen können, die sich insofern von unserer unterscheidet, als dass man täglich nur bis max. 14 Uhr Unterricht hat, aber dafür auch am Samstag! Unser Mitleid war grenzenlos, zumal wir unsere Austauschpartner drei Tage lang in die Schule begleitet haben… Auch wenn wir nur die Hälfte von dem verstanden haben, was um uns herum in atemberaubender Geschwindigkeit gesprochen wurde, war es doch interessant zu sehen, wie der dortige Schulalltag ablief.

Doch natürlich war nicht die Schule unsere Hauptbeschäftigung sondern gemeinsames Spaßhaben. Die meisten Unternehmungen haben wir zusammen unternommen, wie abendliches Pizzaessengehen oder ein „caccia al tesoro“ (Schatzsuche mit unglaublich peinlichen Aufgaben) in der Innenstadt von Alessandria, aber am Wochenende teilten sich auch mal die Wege, die einen gingen in das riesige Outlet zum Shoppen, die anderen unternahmen etwas mit ihren Familien, so z. B.  Ausflüge nach Mailand, ins „Monferrato“ , nach Alba usw..

Eins der Highlights war z. B. der Samstagabend in einer echten italienischen Disko, die einfach hundertmal besser sind als deutsche! Unter flackernden Lichtern und zu dem Remix eines Life-DJs haben wir auf der riesigen Tanzfläche zusammen gefeiert. Auch bei dem Kostümfestival, bei dem bedeutende Personen wie Sisi oder Homer und Bart Simpson vertreten waren, hatten wir unseren Spaß.

Natürlich standen neben solchen „Freizeitaktionen“ auch Kultur auf dem Programm. So haben wir beispielsweise verschiedene Museen besucht und Städte wie Genua mit Besichtigung des unglaublichen Acquariums am Hafen oder Turin, „il Salotto“ – die vornehme Stadt als ehemalige Residenz der „Savoier“,-  besichtigt. Auch wenn all diese Orte noch so verschieden waren, eins hatten sie alle gemeinsam und das war der typische italienische Flair, spürbar in den Gassen auf der Piazza, in den Bars ….

Genua an sich ist z. B. keine schöne Stadt, aber taucht man erst mal in ihr Gassengewirr ein, bei dem man viele kleine Läden und Marktstände entdecken kann, ist man unbewusst sofort davon verzaubert.

Doch nicht die Städte haben diesen Austausch zu etwas Wunderbarem für uns gemacht, nicht das Essen, auch wenn es noch so gut war: Es waren die Menschen dort. Die Menschen, die uns alle so herzlich aufgenommen und akzeptiert haben, nicht nur die Gastfamilien, sondern auch die Leute in der Schule, die Lehrer, die Verkäufer an Laden – oder Eistheken (das italienische Eis ist übrigens viel besser), die uns mit ihrer italienischen (Gast-) Freundlichkeit so viel Freude bereitet haben! Alle Italiener waren einfach so offen und herzlich, so haben wir z.B an einem Abend in einem Lokal auf den Tischen tanzen und uns gegenseitig mit Nüssen bewerfen können, ohne unangenehm aufzufallen.

Gesungen haben wir dabei das Lied „50 speciali“ von Luna Pop und das kann man wirklich auch auf uns beziehen: denn unsere ganze Gruppe bestand aus 44 „speciali“, jeder auf seine eigene Art.

Wir haben bei diesem Austausch viel gelernt und gelehrt, nicht nur verschiedene Sprichwörter und deutsche/italienische Gewohnheiten, sondern auch, dass Mut, Herzlichkeit und Offenheit zu richtiger Freundschaft führen können. Es war ein wunderbarer Austausch und deshalb wollen wir uns bei jedem bedanken, der uns dieses Erlebnis ermöglicht hat, in Deutschland wie in Italien.

Am Morgen der Abfahrt wurden mindestens dreimal so viele Tränen vergossen wie damals in Erlangen, obwohl bei dem Abschiedsfest am Abend vorher schon viel geweint wurde, was wohl hauptsächlich an der Fotoshow und dem Lied lag, das zwei unserer Mitglieder über den Austausch geschrieben und vorgesungen haben: der Titel lautete „Amicizia – Freundschaft“ und hat die gemeinsamen Unternehmungen und die Traurigkeit über den baldigen Abschied so treffend beschrieben, dass einige vor Rührung kein Wort herausbringen konnten.

Doch trotz der Tränen und vielen Fröschen im Hals, eine Zeile im Lied hat jeder von uns, ob laut oder innerlich, mitgesungen und denkt manchmal noch immer daran: „Wir wollen zurück, wir wollen zurück, wir wollen zurück…“

Mara Kirchmann , Q 11, Pia-Laura Scalera