Sozialkunde am CEG

 

Sozialkunde – was ist das?

Protest - ProstSozialkunde oder politische Bildung nimmt in einer demokratischen Gesellschaft eine zentrale Stellung ein. Wer sich mit aktuellen Fragen auseinander setzen und seine Rechte und Pflichten als Staatsbürger kennen will, erhält hier jene Kenntnisse vermittelt, die zur rationalen Urteilsbildung befähigen und zum politischen Engagement motivieren sollen.

Dem Fach begegnet der Schüler erstmals in der zehnten Jahrgangsstufe; es wird im G8 in Kombination mit dem Fach Geschichte nur einstündig unterrichtet. In der 11. und 12. Jahrgangsstufe setzt sich die Einstündigkeit fort, auch die Kombination mit dem Fach Geschichte bleibt erhalten. Ob mit dieser – im Vergleich zu allen anderen Bundesländern – äußerst geringen Stundenzahl das Ziel einer Erziehung der Jugendlichen zu mündigen Staatsbürgern erreicht werden kann, muss sehr in Frage gestellt werden.

Der aktuelle Lehrplan der zehnten Jahrgangsstufe umfasst drei Themenbereiche:

  • Politische Mitwirkung im demokratischen Staat
  • Das parlamentarische Regierungssystem der Bundesrepublik Deutschland
  • Die Wertordnung des Grundgesetzes

Etwas konkreter und weniger trocken formuliert werden z. B. folgende Fragen behandelt und diskutiert:
schlafender MdB

  • Welche Möglichkeiten habe ich, meine Interessen und Meinungen zu äußern und eventuell etwas in die richtige Richtung zu bewegen?
  • Ist Politik wirklich so langweilig, dass man dabei einschläft – wie rechts der CDU-Abgeordnete Schwarz-Schilling im Deutschen Bundestag?
  • Wie kann ich mich in den Medien seriös und verständlich über Politik informieren?
  • Worin unterscheiden sich die Parteien und welche Partei vertritt am ehesten meine Interessen?
  • Warum heißt unsere Verfassung „Grundgesetz“?
  • Wie funktioniert ein Volksbegehren und kann ich damit die bayerische Schulpolitik beeinflussen?
  • Was kann ich demnächst als 18jähriger mit meiner Erst- und Zweitstimme anfangen?
  • Wer übt den größten Einfluss auf unsere Abgeordneten aus? Der Wähler? Seine Partei oder die Fraktion? Der ADAC? Die Ehefrau oder im Falle einer Abgeordneten: der Ehemann?
  • Mit welchen Entscheidungen kann eine Regierung die wichtigen Zukunftsprobleme in Angriff nehmen?
  • Welche Rechte habe ich und wo endet meine Freiheit?
  • Wie beeinflusst die Europäische Union unser Leben und welche Chancen bietet mir das Zusammenwachsen Europas?

 

Kollegium Sozialkunde

  • Wolfgang Dorn
  • Matthias Götz
  • Ulrich Keding
  • Verena Röckelein
  • Günter Schirmer
  • Monika Winterstein

 

Das CEG als Seminarschule für das Fach Sozialkunde

Das Christian-Ernst-Gymnasium ist seit 1977 Ausbildungsschule für den Lehrernachwuchs, d. h. eine sog. Seminarschule. Jeweils zum Schulhalbjahr im Februar werden der Schule vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus zwischen 5 und 10 Referendarinnen und Referendare mit dem Fach Sozialkunde zugeteilt. Diese haben nach einem etwa fünfjährigen Universitätsstudium in mindestens zwei Unterrichtsfächern ihr Erstes Staatsexamen abgelegt. An unserem Gymnasium treten sie nun in die zweite Phase der Lehrerausbildung ein, in welcher die Unterrichtspraxis im Mittelpunkt steht.

Das CEG bildet zurzeit in folgenden Fächern aus: Deutsch, Englisch, Ethik, Sport weiblich, Geographie, Geschichte, Latein sowie Sozialkunde.

Wir als Schule erleben unsere Referendarinnen und Referendare als Gewinn, weil sie nicht nur aktuell ausgebildet von der Universität zu uns kommen, sondern mit Ideen, Schwung und Experimentierfreude den Unterricht im Fach Sozialkunde bereichern – in Kooperation mit unseren erfahrenen Sozialkundekollegen.

Der Vorbereitungsdienst dauert 24 Monate. Den ersten und dritten Teil der Ausbildung, also jeweils ein Schulhalbjahr, verbringen die Referendare am CEG und werden dabei immer von einem erfahrenen Kollegen im Hintergrund betreut.
 

Berichte

Am Puls der Demokratie – Landtagsbesuch 2019

Mittwoch, 23. Oktober 2019: 30 Zehntklässler waren in den bayerischen Landtag eingeladen, aber: zweieinhalb Stunden Anfahrt zum Maximilianeum, zweieinhalb Stunden Heimreise, vier Stunden vor Ort – war es das wert?
Im Plenum konnten unsere Schülerinnen und Schüler den Debatten zur Ärzteversorgung im ländlichen Raum lauschen und sich mit einer klimaschonenderen Bewirtschaftung der bayerischen Wälder auseinander setzen – danach war eine Diskussion mit den regionalen Abgeordneten aller sechs im Landtag vertretenen Parteien angesetzt – leider wurden wir von SPD, FDP und AfD versetzt – trotzdem: ja, der Tag war ein Gewinn für die politische Bildung!
Ulrich Keding

Nach dem Abendessen noch schnell die Welt retten…

Im Iran werden Drohnen abgeschossen, in Europa geht Freitags die Schülerschaft demonstrieren und Korea bastelt an Interkontinentalraketen, damit Atombomben die USA erreichen können – von Rassenunruhen in den USA oder dem Bundeswehreinsatz in Mali ganz zu schweigen:

Um die komplexen Zusammenhänge internationaler Politik und auch die Handlungsspielräume der beteiligten Staaten/Politiker wirklich zu verstehen, hat sich eine Schülerauswahl der 10. Jahrgangsstufe des CEG in die Rollen der Akteure der Weltpolitik begeben – èt voilá: Schon im zweiten Spieljahr z. B. konnte der UNO-Generalsekretär das „Retzbacher Klimaschutzabkommen“ aushandeln und damit den Klimawandel stoppen…

U. Keding

Deutsche und europäische Sicherheitspolitik in Afrika…

…wenn’s mal wieder länger dauert….

Eigentlich schon fast ein Standardtermin: die gesamte 12. Jahrgangsstufe nahm gestern an einem sicherheitspolitischen Vortrag des lokalen Jugendoffiziers der Bundeswehr teil – geplant mit 90 Minuten, für die Schülerinnen und Schüler höchst informativ und gleichzeitig kontrovers, wie die gestellten Zwischenfragen erkennen ließen.

Außergewöhnlich an der gestrigen Veranstaltung war aber, dass zwar ein Teil unserer Schülerinnen und Schüler nach den veranschlagten 90 Minuten in den nachfolgenden Unterricht ging, diejenigen ohne weitere Termine aber eine weitere Stunde mit großem Interesse und auf hohem fachlichen Niveau mit dem Jugendoffizier weiterdiskutierten – ein Beweis, dass unserer Oberstufe politische Bildung auch jenseits von Noten und Schulstunden am Herzen liegt.

U. Keding

Indisch-Chinesischer Grenzkonflikt eskaliert…!

So eine Pressemitteilung in der Politiksimulation Pol&IS.

Bereits seit vielen Jahren fester Bestandteil unseres Politikunterrichts, konnten dieses Jahr die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10c „hautnah“ in internationale Konflikte und die Lösungsmöglichkeiten der Vereinten Nationen einsteigen…

Drei arbeitsintensive Tage lang bekamen unsere Schülerinnen und Schüler nicht nur Einblick in das Funktionieren der UNO, durch die Rollenübernahme, sei es als UNO-Generalsekretär, Teil einer nationalen Regierung oder als NGOs, wuchs auch das Verständnis für Handlungsspielräume und Zwänge der Politik – ein Projekt, das das CEG sicher in den kommenden Jahren wiederholen wird.

U. Keding

Same procedure as every year…?

Seit nun schon vier Jahren lädt das CEG den ehemaligen Stasihäftling Mario Röllig als Zeitzeugen für die zehnte Jahrgangsstufe nach Erlangen ein, am 18. Juni war es diesmal wieder soweit – zur Klärung der Frage, ob dieser Versuch, die politische Bildung zu fördern, erfolgreich war, der Kommentar einer Schülermutter: „Meine Tochter ist völlig begeistert von dem heutigen Zeitzeugengespräch, sie hat mir jetzt minutiös alles nacherzählt…“

Auch das Fridericianum bzw. das Ohm-Gymnasium haben sich dieses Jahr erstmals mit dem CEG vernetzt, um den dortigen Schülern ebenfalls Einblicke ins Leben in der DDR geben zu können – insofern: eine Tradition, die sicher die kommenden Jahre fortgeführt werden wird.

U. Keding

Erfolgreiche Lehrerfortbildung mit der FAU

28 Kolleginnen und Kollegen kamen am Freitag, den 16.03.2018, nachmittags zusammen, um sich mit der Nutzung von Plan- und Simulationsspielen im Unterricht auseinander zu setzen.

Die Fortbildungsteilnehmer spielten dazu exemplarisch das „Welthandelsspiel“, das stark vereinfacht die ökonomischen Beziehungen zwischen Entwicklungs-, Schwellen- und Industrieländern und der Weltbank darstellt, und reflektierten danach darüber, ob und in welchem Rahmen solch ein Simulationsspiel für den Unterricht in Geographie, Wirtschaft/Recht, Sozialkunde oder Ethik sinnvoll wäre…

Danke an Jan Hofmann – Geographiedidaktiker an der FAU – für die Durchführung und alle damit einhergehenden Einblicke.

U. Keding

Terrorismus-Projekt der Klasse 10a

Fünf Wochen lang beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10a intensiv mit dem Thema Terrorismus im Rahmen einer fächerübergreifenden Geschichte-Sozialkunde-Projekts. Sie setzten sich mit der Macht der Bilder und den verschiedenen Gesichter des Terrorismus anhand von NSU, IS und RAF auseinander, befragten Zeitzeugen für eine Dokumentation zum Anschlag auf das das World-Trade-Center und gingen der Frage nach, wie und wieso Menschen zu Terroristen werden und ob der Terror in Israel zur Normalität geworden ist. Ihre Ergebnisse setzten sie in erstaunliche Produkte um, die wieder einmal unter Beweis stellen, wie vielfältig die Begabungen unserer Schülerinnen und Schüler sind.

M. Winterstein

PowerPoint-Präsentation „Wie wird man Terrorist“ zum Download

Zeitzeugendokumentation 09-11

von Schülern der Klasse 10a | Podcast mit Zeitzeugen zur Dokumentation des Anschlags auf das World-Trade-Center 2001

Diskussion zu aktuellen Problemen der Sicherheitspolitik

Hauptmann Erbrich beleuchtete für die Schülerinnen und Schüler unserer Q12 verschiedene Krisenherde – teils vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen, die er während seiner Auslandseinsätze gesammelt hat. Das Themenspektrum reichte dabei beispielsweise von dem deutschen Engagement in Afghanistan über die Flüchtlingsproblematik im Mittelmeer bis zur Situation in Syrien nach Ende des selbsternannten „Islamischen Staats“.

Für unsere Schülerinnen und Schüler war der Vortrag und die damit verbundenen Diskussionen eine gelungene Abrundung ihrer politischen Bildung – schließlich hatten sie sich bereits Grundlagen zu den meisten der Themen im Sozialkundeunterricht angeeignet, da sich das zweite Halbjahr der Q12 unter anderem mit dem Thema „Frieden und Sicherheitspolitik“ befasst.

U. Keding

„Keine Fotos – keine Namen!“

Ein eher überraschender Wunsch, wenn er von zwei Menschen kommt, die in der Öffentlichkeitsarbeit tätig sind – doch alles der Reihe nach:

Zwei Dozenten der bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus waren am 11. Januar 2018 zu Gast am CEG, um mit den Schülerinnen und Schülern der Klasse 10a einen Workshop zum Thema Extremismus und dessen Prävention durchzuführen – drei multimediale und äußerst spannende Schulstunden, die den Jugendlichen tiefgehende Einblicke gerade auch in die rechtsradikale Szene, ihre Erkennungszeichen und Werbestrategien in Bayern ermöglichten.

Wie real die Gefahr durch extremistische Gewalt jeglicher Couleur ist, zeigte sich in einem Gespräch am Rande, als die Referenten deutlich machten, dass sie weder mit Bild noch mit Namen im Internet erwähnt werden wollen. Als Mitarbeiter des Verfassungsschutzes seien sie darauf angewiesen, sich und ihre Familien vor Übergriffen zu schützen. Diesem Wunsch entsprechen wir natürlich gerne.
Ein Dank geht an Frau Winterstein, Frau Faltermayr und Herrn Fichtner für die Organisation einer gelungenen Veranstaltung, an die die Fachschaft Sozialkunde in den kommenden Jahren gerne wieder anknüpfen wird.

Ulrich Keding

Juniorwahl 2017

Wahlzetteleinwurf am CEGErlangen (ceg) – 100% Wahlbeteiligung. So oder zumindest so ähnlich würde wohl die Wahlbeteiligung ausfallen, wenn nur die Schüler des CEG an der Wahl zum Bundestag in diesem Jahr teilgenommen hätten. Im Rahmen des Sozialkundeunterrichts war es uns dieses Jahr möglich, die „Juniorwahl 2017“ für unsere Schule gewinnen zu können, die offiziell vom deutschen Bundestag unterstützt wird.

Hierbei wählten alle Schülerinnen und Schüler genauso, wie sie es als Bürger der Stadt Erlangen hätten tun können. Ein Wahlhelfer-Team überprüfte das Sigel der Wahlurne und andere Formalia, es wurden die Wahlzettel des Erlanger Wahlkreises ausgegeben und an mancher Stelle schaute schon einmal ein Jugendlicher heimlich, ob sein Ausweis denn noch gültig war.

Die Ergebnisse fielen allerdings wesentlich anders aus als die Ergebnisse der „echten“ Bundestagswahl. In manchen Klassen drehte sich sogar das um, was wir normalerweise unter Volksparteien und kleinen Parteien verstehen.

Schülerin wirft ihren Wahlzettel in die WahlurneGewinnbringend dürften vor allem die Diskussionen in den nächsten Stunden sein: Wieso haben die Bundesbürger anders gewählt als die Schülerinnen und Schüler? Was lernt man daraus über sich selbst und die echten Wähler? Welche Argumente konnten überzeugen und wo muss man innerhalb unserer Gesellschaft wohl in Zukunft noch diskutieren?
Die Sozialkundelehrer freuen sich auf jeden Fall, dass das Interesse an unserer Demokratie und den Parteien enorm groß war.

Wolfgang Dorn für die Fachschaft Sozialkunde

„Ich wäre ein angepasster DDR-Bürger gewesen, wenn der Staat mich denn gelassen hätte…“

Mario Röllig spricht vor Schülern der 10. Klasse im CEG

Mario Röllig spricht vor Schülern der 10. Jahrgangsstufe

So berichtet Mario Röllig von seinem Leben in der DDR. Schon im Kindergarten beginnt die systemkonforme Erziehung, in der Grundschule wird es nicht besser: Um 8 Uhr wird zum morgendlichen Fahnenappell gebeten. Alle fein gekleidet, in blauer Uniform. Ist man anders, fällt man auf. Wie auch der heute 49jährige Mario Röllig. Stolz mit einem knallgelben, aus dem Westen stammenden Franz Beckenbauer-Fan-Trikot gekleidet, hebt er sich von der restlichen Gleichheit schon am ersten Schultag ab, weswegen er vor der Klasse gedemütigt und zum Gespräch mit dem Direktor gebeten wird.

Wer kein junger Pionier ist, darf nicht mit auf Klassenfahrt, gehört ganz einfach nicht dazu. Und vier, höchstens sechs von 30 Schülern einer Klasse bekommen die Zulassung zur Erweiterten Oberschule, um das Abitur zu machen. Intelligenz schadet hier zwar nicht, entscheidend ist aber das Elternhaus oder die eigene politische Einstellung. Mario Röllig geht also nach der 10. Klasse von der Schule ab, er wird Kellner im Restaurant des Flughafens Schönefeld in Ostberlin. Ein Job, bei dem man zu DDR-Zeiten viel mehr Geld verdient als jeder Akademiker und der in der Planwirtschaft der DDR wenig mit Service zu tun hat – siehe das DDR-Sprichwort, das die Überschrift dieses Artikels ist…

Das bis dato angenehme Leben ändert sich, nachdem Röllig im Ungarn-Urlaub seinen ersten Freund – Wirtschaftsstaatsekretär der damaligen Westberliner Landesregierung – kennen lernt und regelmäßige Treffen folgen: Die Stasi bittet ihn, regelmäßige Berichte über seinen Freund zu schreiben. Als er sich weigert, als Spitzel zu arbeiten, wollen ihn die Beamten mit einem Trabant oder einer neuen Wohnung „bestechen“. Röllig bleibt hartnäckig und verliert daraufhin seinen gut bezahlten Beruf, Überwachung und Gängelung gipfeln in einem misslungenen Fluchtversuch über Ungarn, es folgen Stasihaft und 1988 sein Freikauf durch die BRD als politischer Gefangener für immerhin 90000 DM.

Mario Röllig ist auf den ersten Blick topfit, hat seit seinem „Umzug“ in den Westen weltweit als Barkeeper gearbeitet, aber er hat ein Foltertrauma davongetragen und wird nie wieder der gleiche Mensch wie vor der Haft sein, so sagt er. Darüber zu reden hilft ihm, besser mit den Geschehnissen zu leben und sie zu verarbeiten – und auch dabei ist er mittlerweile durchaus erfolgreich, z. B. als Gastdozent an der University of Charlotte in South Carolina 2015/16 oder durch die Auszeichnung seiner filmischen Biographie auf der Biennale im März 2016.

Für die 10. Jahrgangstufe eine einzigartige Chance der Begegnung mit DDR-Geschichte, aber auch dem persönlichen Umgehen damit nach Ende dieses Staates, das die Schülerinnen und Schüler mit einer Fülle von Fragen intensiv genutzt haben…

U. Keding

Langeweile ist sehr positiv!?

Gruppenbild CEG Schüler im Landtag 2017Dienstag, 20. Juni 2017 – eine 24köpfige Gruppe aus 10. und 11. Klässlern des CEG hat es geschafft, in den bayerischen Landtag eingeladen zu werden – was bei den streng limitierten Besucherzahlen gar nicht so einfach ist – und die „Politik zum Anfassen“ begeisterte alle…

Neben einer Führung durchs Gebäude war ein Höhepunkt der Besuch des Ausschusses für den öffentlichen Dienst, wo – trotz des auf den ersten Blick langweiligen Namens – unsere Schüler miterleben konnten, wie Vorschläge gegen die Abwanderung bayerischer Grundschullehrer aus Unterfranken nach Hessen oder Baden-Württemberg diskutiert wurden, oder auch mit Erstaunen feststellten, wie weit das Petitionsrecht eines Bürgers geht – es wurde z. B. über den Antrage eines Gymnasiallehrers entschieden, der einen zu schlechten Abschluss für eine Planstelle hatte, sich aber mit der bizarren Petition „Der Freistaat möge mir eine Planstelle schaffen“ an den Landtag gewandt hatte.

CEG Schüler sitzen im Plenarsaal im Landtag 2017Gleichzeitig erlebten die Schüler hautnah, was die glasklaren Mehrheitsverhältnisse in Bayern in der Praxis bedeuten: Wortmeldungen von Abgeordneten der SPD, der Freien Wähler oder der Grünen bedeuten, dass der Großteil der Abgeordneten den Raum verlässt und schon im Gehen das Smartphone zückt, oder nach 10 Minuten mit frischem Kaffee und neu gekaufter Süddeutscher wieder kommt – man muss der Opposition nicht zuhören, weil die Mehrheiten vorher feststehen…

Genau dies war dann auch Thema bei der persönlichen Diskussion mit Landtagsabgeordneten, wo uns je ein Vertreter der CSU-, der FW- und der grünen Fraktion – offenbar war die SPD zu sehr mit Anderem beschäftigt, um einen Abgeordneten für uns frei zu machen – Rede und Antwort standen: in einer lebhaften Diskussion spürten unsere Schüler der Frustration eines Oppositionsabgeordneten nach, loteten mögliche schwarz-grüne Koalitionsoptionen in Bayern aus und wiesen den lokalen CSU-Abgeordneten noch ganz nebenbei auf die Probleme hin, eine passende Halle für mögliche Abiturfeiern zu finden.

Schüler mit Führung im bayerischen Landtag 2017Mithin ein rundum erkenntnisreicher Tag … dass die Landtagskantine mit spontanen Wünschen wie veganem oder lactosefreiem Essen fast überfordert war, war da definitiv Nebensache; und dass uns unser pädagogischer Begleiter vom Landtag versuchte, einzureden, der demokratische Prozess mit vielem Abwägen und Kompromisse finden sei zwar langwierig und langweilig, aber genau das sei eben auch die Garantie, dass der bestmögliche Kompromiss gefunden werde, können wir auch nicht bestätigen – wir fanden es super!

U. Keding, verfasst von Schülern der 10d

Internationale Politik live erleben…

Politik und Internationale Sicherheit kennen lernen und verstehen. Darum geht es bei dem Pol&is – Planspiel, das von der Bundeswehr organisiert wird, um jungen Menschen Politik nahe zu bringen und zu erklären.

Nachdem die organisierenden Jugendoffiziere mittlerweile dünn gesät sind, besonderen Dank an Marius Erbrich, der uns dieses Planspiel ermöglicht hat, obwohl er als einziger Jugendoffizier in Ober- und Mittelfranken VIER Stellen gleichzeitig abdecken muss. Um den Mangel zumindest gerecht zu verteilen, haben sich das Christian-Ernst-Gymnasium Erlangen, das Emil-von-Behring-Gymnasium Spardorf und das Christoph-Jacob-Treu-Gymnasium Lauf zusammengeschlossen.

Zwei Schüler beim Polis Spiel 2017 verkörpern die EU

Die EU

An dem diesjährigen Spiel vom 29.05.–31.05.17 haben 48 Jugendliche dieser drei Schulen teilgenommen, die zum Einen eine Art Uno verkörperten, indem je drei Schüler einen Staat leiteten, zum Anderen wurden aber auch die Rollen weiterer Internationaler Akteure, wie der NGOs oder der Presse, vergeben.

Nach der Rollenverteilung starteten die Staaten mit „realen“ Ausgangsbedingungen, also Terrorismus, Staatverschuldung, Klimawandel und einer durchaus ungleichen Verteilung von Gütern wie Strom, Öl, Nahrung und Geld ins erste Spiel- bzw. Polis-Jahr. Schnell wurde den Staaten/Schülern klar, dass miteinander zu kooperieren und Handel zu betreiben der logische Weg zu Frieden und Wohlstand wäre, gleichzeitig kämpften sie aber wie im richtigen Leben mit nationalen Egoismen. Als Abschluss des ersten Jahres wurden in Form einer großen Versammlung, welche die UN-Generalversammlung darstellen sollte, die Resultate der Verhandlungsrunden vorgestellt. Nach jedem Spieljahr wurden durch entsprechende Nachrichtenmeldungen die Folgen des Tuns oder der Untätigkeit der Welt für das Folgejahr zusammen gefasst und bildeten so die Basis des kommenden Polisjahres.

Sechs Schülerinnen und Schüler sitzen beim Polis Spiel 2017 protestierend zusammen

Wie im richtigen Leben – amnesty international protestiert erfolglos gegen russischen Atombombeneinsatz gegen eigene protestierende Bevölkerung

Man hat gemerkt, dass das Spiel am zweiten Tag viel reibungsfreier lief und sich alle allmählich in ihrer Rolle eingefunden hatten. So wurde das am Anfang sehr komplexe Spiel nach und nach immer einfacher und verständlicher, sodass die Teilnehmer langsam anfingen, Politik zu machen und zu verstehen – und genau das ist wohl auch die Haupterkenntnis dieser zweieinhalb Tage: die Funktionsweise der Uno „live“ nachzuvollziehen ist sicher hilfreich, aber die Erkenntnis, dass durch diverse Sachzwänge der Handlungsspielraum vieler Staaten doch sehr eingeschränkt ist, und somit vieles, was auf den ersten Blick wünschenswert und naheliegend ist, nur teilweise oder langsam verwirklicht werden kann – und insofern viele Stammtischvorurteile über Politiker, „die nichts machen“ schlicht falsch sind.

U. Keding, zusammengestellt aus Schülerinterviews

Extrem komplex und verwirrend…

Vortrag und Diskussion mit dem Jugendoffizier Marius Erbrich zum Syrienkonflikt

Die Folgen des missglückten amerikanischen Eingreifens im Irak wie die unerfüllten Hoffnungen des arabischen Frühlings in Syrien waren der Ausgangspunkt eines facettenreichen Vortrags über das Erscheinen des sogenannten „Islamischen Staats“ auf der Weltbühne, aber auch die Verstrickung der Weltmächte wie USA und Russland wie der Regionalmächte (Saudi-Arabien, Türkei, Iran) in diesem Konflikt

So führen Ressourcenverknappungen oder fehlende Menschenrechte zu Spannungen, die wiederum zu sozialen und damit ethnischen, d. h. oft religiös anmutenden bewaffneten Konflikten eskalieren: Flüchtlingsströme können im Aufnahmegebiet neue Probleme auslösen, da dort ebenfalls knappe lebenswichtige Güter nun mit einer ebenso kurzfristig wie drastisch gestiegenen Zahl an Menschen geteilt werden müssen. Neue Verknappungen entstehen bzw. bestehende Knappheiten verschärfen sich und das Konfliktpotential zwischen der einheimischen Bevölkerung und den zugewanderten Ethnien oder Religionsgruppen erhöht sich.

Somit schwächen oder zerstören Konflikte regelmäßig die staatliche Infrastruktur und das staatliche Gewaltmonopol. Unzureichender Wohlstand und ein fehlender staatlicher Sicherheitsapparat begünstigen zudem die Entstehung und Ausbreitung organisierter Kriminalität. Ins Blickfeld rückte der Referent hier den Handel mit Drogen und Waffen sowie den Handel mit antiken Kulturgütern, Menschenhandel und Cyberkriminalität.

Gerade Syrien krankt aber an der Einmischung sowohl der Weltmächte wie der Nachbarstaaten, z. B. der Türkei, die jeweils ihre nationalen Egoismen verfolgen und durchaus auch widerstreitende Gruppierungen unterstützen: in diesem Kontext ganz logisch, dass deutsche G36 Gewehre, die eigentlich nur an irakische Kurden geliefert werden, natürlich auch an deren syrische „Brüder“ weitergegeben werden, obwohl die syrische YPG aus deutscher Sicht eine Terrorvereinigung ist, bzw. die Waffen einfach weiterverkauft werden und durchaus auch beim sogenannten „Islamischen Staat“ landen… insofern schon fast friedensstiftend, dass die G36 nur in kaltem Zustand wirklich geradeaus schießen…

Geschätzt sind zwischen 400 und 1000 aus Deutschland stammende Kämpfer auf Seiten des IS im syrischen und irakischen Kriegsgebiet im Einsatz. Man geht davon aus, dass circa 180 von ihnen bereits zurückgekehrt sind. Als am schwersten zu beherrschende Herausforderung steht im Fokus die seit ca. 3 Jahren erkennbare islamistische Cyberkriminalität, auf die die Staaten des Westens noch keine Antwort gefunden haben.

All das hat bei den Schülerinnen und Schülern der Q12 am 20. März zu derart lebhaft Diskussionen geführt, dass einige es nicht mehr rechtzeitig in den nachfolgenden Unterricht geschafft haben, aber: der Titel des Artikels ist der Kommentar eines 12klässlers zum Syrienkonflikt, nicht zur Informationsveranstaltung.

U. Keding, kompiliert aus Schülerbeiträgen

Internationale Politik zum Anfassen – das Planspiel POL&IS

polis 1 Der Syrien-Konflikt, die Euro-Krise, das Abkommen mit dem Iran – die Ebene der internationalen Politik ist auf den ersten Blick komplex und schwer überschaubar. Umso wichtiger ist es daher, für Schüler einen verständlichen und unmittelbaren Zugang zu Fragen der Weltpolitik zu schaffen. Diese Möglichkeit bot sich 49 Zehntklässlern des CEG und des Gymnasiums Herzogenaurach im Rahmen des Planspiels „POL&IS“ in Bad Windsheim Ende Juli. In einer dreitägigen Simulation, die von den Jugendoffizieren der Bundeswehr durchgeführt wird, schlüpften die Teilnehmer dabei in die Rollen von zentralen internationalen Akteuren: Die wichtigsten Weltregionen werden verkörpert, daneben überprüfen einzelne Schüler als Vertreter der Weltbank die Entwicklungspolitik der Regionen, prangern als Vertreter von NGOs z. B. die Menschenrechtssituation in Staaten an oder klären als Weltpresse die Öffentlichkeit über schwelende Konflikte auf.

polis 2Die Komplexität der Weltpolitik wird zwar heruntergebrochen, aber doch erfahrbar gemacht: In allen Simulationsphasen sind die Staaten in Interaktion, verhandeln an großen Weltkarten sitzend, entwerfen Regierungsprogramme oder müssen genügend Nahrungsmittel für die eigene Bevölkerung sichern: „Wenn man selber versucht, ein Problem zu lösen, wird einem erst bewusst, welchen Sachzwängen Politik unterworfen ist und wie alles mit Allem zusammen hängt – diese Realitätsnähe hat mir besonders gut gefallen“, hält Teilnehmerin Sophia Schenkel stellvertretend für viele fest. So eine realistische Erfahrung ist auch, dass es herausfordernd ist, die eigene Weltregion als Redner zu präsentieren (und eigenes Versagen zu beschönigen), und umgekehrt anstrengt, in Konferenzen einem Dutzend Reden zuzuhören.

polis 3Zentraler Bestandteil der Simulation ist dabei gerade die Auseinandersetzung mit Krisen und Konflikten: Immer wieder entstehen diese aufgrund von begrenzten Ressourcen und/oder dem Missmanagement einzelner Regionen: Hungersnöte, Energieengpässe, Flüchtlingsströme, Piraterie, zerfallende Staatswesen, steigende CO2-Emissionen – nur eine Auswahl von Krisen, auf die die Teilnehmer reagieren mussten. Dabei haben die Schüler auch rasch die Erfahrung gemacht, dass Krisen in einer Weltregion meist nie ohne Auswirkung auf eine andere Weltregion bleiben. Genau das gehört aber auch zu den Zielen von POL&IS. Das Spiel kennt keine Gewinner oder Verlierer, da es in der Regel die Kooperation vieler Weltregionen braucht, um Konflikte und Krisen zu bewältigen. Diese eigenständige, spielerische Einführung in die Weltpolitik bewirkt schließlich genau das, was man im normalen Politikunterricht eher schwer erreichen kann: Die Schüler wollen ganz von alleine immer mehr über internationale politische Prozesse wissen und alle Möglichkeiten des Spiels ausschöpfen.

Also drei anstrengende, aber sehr ertragreiche und gelungene Tage!

Ulrich Keding (auf Basis von SchülerInnenbeiträgen)

„Ich wollte doch bloß frei sein“

„Ich wollte doch bloß frei sein“
Mario Röllig, ein DDR-Zeitzeuge erzählt von weit mehr als vom Stasi-Knast

bild 1 röllig 30.6.Ein leichtes Raunen setzt ein, als die CEG-Schülerinnen und Schüler auf einen Zeitzeugen aus der ehemaligen DDR treffen. Vor ihnen steht ein jugendlicher, baumlanger, kurzhaariger Mann, ganz in schwarz gekleidet, der einen unverkrampften Eindruck macht. Irgendwie hatten sie ihn sich anders vorgestellt, wie genau wusste aber keiner zu erzählen.

„Eigentlich wäre ich zufrieden gewesen mit der DDR“, sagt Mario Röllig über seine Jugend, „ich hatte einen privilegierten Job im Flughafenrestaurant und Geld – vermutlich wäre ich als angepasster DDR Bürger durchs Leben gegangen, wenn das alles nicht passiert wäre.“

Aber es ist so viel passiert, dass Röllig, Sohn zweier SED Mitglieder, Thälmannpionier und FDJler, sich heute als „demokratischer Antikommunist“ bezeichnet. Das alles hat die Stasi aus ihm gemacht.

Röllig redet munter drauflos, er ist zwar das zweite Mal am CEG, war aber schon seit fast zehn Jahren immer wieder an anderen Schulen im Großraum Nürberg/Erlangen als Gesprächspartner an Schulen, nie käme man auf die Idee, dass er heute noch Angst hat, vor grellem Licht oder dem Geräusch von Zweitaktmotoren – eine „Erinnerung“ an seine Inhaftierung in Stasigefängnis in Berlin-Hohenschönhausen. Für ihn ist die Zeitzeugentätigkeit am CEG gleichzeitig eine Art Therapie.

Mit 17 verliebt er sich am Plattensee in einen älteren westdeutschen Herrn- den damaligen Wirtschaftsstaatssekretär der Regierung Kohl. Da die Stasi ihn immer mehr unter Druck gesetzt hatte, seinen Geliebten auszuspionieren und beide die Beziehung über die Berliner Mauer hinweg als unbefriedigend empfinden, wagt Röllig1987 einen Fluchtversuch, wird aber an der ungarisch-jugoslawischen Grenze gefasst.
Die ungarischen Genossen übergeben den Republikflüchtling an die Ostberliner Staatssicherheit. In einem Gefängnistransporter (Barkas 1000- für die Autokenner), fahren sie ihn vom Flughafen Schönefeld nach Hohenschönhausen. Sie drohen ihm: „Wir sind die Staatssicherheit. Wir müssen nicht nett zu Ihnen sein.“ Und sie machen ihm Angst. Beobachten ihn durch den Spion beim Toilettengang. Verhören ihn mal über Stunden, dann wieder tagelang gar nicht. Sie malen ihm in den schillernsten Farben aus, wie es einem Schwulen im Knast ergeht. Drohen, seine Eltern zu verhaften oder seine Nichte zwangsadoptieren zu lassen.

bild 2 röllig 30.6.Drei Monate bleibt er inhaftiert, im September 1987 wird er entlassen – in die DDR. Erst ein halbes Jahr später wird er für 40 000 DM freigekauft.
Es folgt eine Zeit des Abenteuers und großen Geldes: Reiseleiter in Russland (die erste Fremdsprache des DDR Schulsystems machte sich bezahlt), Barmann in Los Angeles.

Seit 1999 lebte Mario Röllig wieder in Westberlin, er arbeitete als Zigarrenverkäufer im KaDeWe. Ein Kunde verlangt Zigarren- es ist sein Verhöroffizier aus Hohenschönhausen, der sagt: „Was wollen Sie von mir? Reue ist was für kleine Kinder. Wofür soll ich mich bei Ihnen entschuldigen? Sie sind doch ein Verbrecher.“ Mario Röllig bricht zusammen.Die Erinnerungen an die Inhaftierung kommen wieder hoch. Er schließt sich zu Hause ein, unternimmt einen Selbstmordversuch. Er wandert für Monate in die Psychiatrie. Die alte Angst hat ihn wieder ganz fest im Griff.
Seine Therapie heute: die Sorge um seinen Hund – und über das Erlebte sprechen. Die konzentrierte, aufmerksame Ruhe und die teilweise langen Gespräche mit Schülern nach dem offiziellen Teil des Zeitzeugengesprächs zeigen, dass Mario Röllig unsere Schüler gefesselt hat und ihnen einen plastischen Eindruck vom Leben in einer Diktatur vermittelt hat.

PS: Im kommenden Jahr wird Mario Röllig unserer 10. Jahrgangsstufe leider nicht als Zeitzeuge zur Verfügung stehen, er wird als Dozent für DDR-Geschichte an der Universität Charlotte/South Carolina tätig sein.

Planspiel POL&IS

„Sehr geehrter Herr Generalsekretär, sehr geehrte Weltbank, sehr geehrte Weltpresse, sehr geehrte Vertreter der NGOs und sehr geehrte Vertreter der Regionen!“

sozi14-03Das ist umständlich- so die Reaktion vieler SchülerInnen, die täglich das Wort an die (simulierte) UN-Generalversammlung richteten -doch genau diese Erkenntniss war eine der wichtigsten für die teilnehmenden ZehntklässlerInnen: POL&IS steht für „Politik und Internationale Sicherheit“ und ist ein Planspiel, bei dem es um internationale Politik geht – die SchülerInnen schlüpfen entweder in die Rollen von Staaten (in der Simulation auf 11 überregionale Staaten reduziert) oder internationaler Organisationen (Vereinte Nationen, Greenpeace, Amnesty, etc) und internationale Beziehungen sind manchmal nicht ganz einfach zu verstehen.

Drei Tage also Verständnis durch selbstständiges Handeln – je drei SchülerInnen vertreten die Wirtschaft- und Außenminister bzw. den Staatschef eines Landes, die übrigen z. B. die Weltpresse oder Nichtregierungsorganisationen wie z.B. Greenpeace. Auch wenn die Ausgangssituation einzelner Staaten zu Simulationsbeginn dem realen Stand von 2014 entspricht, hat jeder Staat alle erdenklichen Handlungsoptionen – was in unserem Fall dazu führte, dass z. B. der amerikanische Präsident sein Land in den Bürgerkrieg getrieben hat, indem er sich zum Diktator ausrief oder Indien durch sein Streben nach Weltherrschaft seine Wirtschaft komplett ruiniert hat. Reale Einflussfaktoren auf Politik- sei es der globale Klimawandel oder die Notwendigkeit, als demokratischer Staatschef wieder gewählt zu werden – können hier „erlebt“ werden, und so wird internationale Politik deutlich verständlicher als im Unterricht.

sozi14-08Entwickelt – und im Lauf der Jahre immer wieder weiterentwickelt – wurde Polis vom Politologen Wolfgang Leidhold (Uni Köln). Im Jahr 1989 hat die Bundeswehr dieses Planspiel gekauft, erst um bei ihren Angehörigen das Verständnis für internationale Politik zu erhöhen, später auch im Einsatz für Schüler- und Studentengruppen. Entgegen vielfachen Vorurteilen handelt die Bundeswehr hier uneigennützig, denn kein Schüler kam mit der frohen Kunde „Mama, nach dem Abitur gehe ich zur Bundeswehr!“ nach Hause. Nie war Anwerbung ein Thema, und auch im Rahmen der Simulation stellte sich oft die Überlegenheit nichtmilitärischen Handelns heraus.

Das besondere dieses Planspiels war aber der Rahmen: um die Mindestteilnehmerzahl zu erreichen, nahmen die SchülerInnen der Klasse 10 c (CEG) gemeinsam mit Klasse 10 c (Christoph-Jacob-Treu Gymnasium Lauf/Pegnitz) teil – vom ersten Moment an in gemischten Gruppen und vom ersten Moment an in perfekter Kooperation miteinander.

Der Ort, das Schullandheim Wartaweil direkt am Ufer des Ammersees, sucht seinesgleichen: drei Tage mit eigenem Badesteg – aber auch viel zu wenig Zeit, ihn zu nutzen.

Passendes Timing: das Planspiel ergänzt perfekt den Lehrplan des Fachs Geschichte am Ende der 10. Jahrgangsstufe.

Also drei anstrengende, aber sehr ertragreiche und gelungene Tage! (U.K. auf der Basis von SchülerInnenbeiträgen)

„Euch trifft keine Schuld! Aber ihr habt die Verantwortung, für die Freiheit zu kämpfen!“

„Euch trifft keine Schuld! Aber ihr habt die Verantwortung, für die Freiheit zu kämpfen!“
Gespräch mit dem Zeitzeugen Hans Rosenfeld

Zeitzeuge RosenfeldDen Tag, an dem er Neumarkt verließ, weiß Hans Rosenfeld noch ganz genau: Es war der 22. Januar 1937. Im Alter von nicht einmal elf Jahren emigriert der Junge mit seinen Eltern zu Verwandten nach Argentinien. Für Juden ist es höchste Zeit, das Land zu verlassen.

Der braune Ungeist, der im Holocaust gipfeln sollte, greift immer mehr um sich. Rosenfeld, einer der noch wenigen lebenden Zeitzeugen, kommt aus New York, seinem Wohnsitz, nach Deutschland, um dort vor Schulklassen seine Erlebnisse, besonders die aus der Kindheit, zu schildern.

Er wurde 1926 in dem kleinen Ort Schopfloch bei Ansbach als Sohn eines Wollfabrikinhabers geboren. Sehr ergreifend schilderte er die Situation, der die gesamte Familie während der NS-Zeit ausgesetzt war. Von den Diskriminierungen, die der kleine „Judenbub“ während der Grundschulzeit ausgesetzt war, bis hin zu dem naiven Versuch in einer größeren Stadt in Neumarkt in der Oberpfalz unterzutauchen lässt er die Zuhörern am Lebensweg und schließlich auch am Fluchtweg der Familie Rosenfeld teilhaben.

Heute treibe eine Mission treibt Rosenfeld an. „So etwas wie das Dritte Reich darf nie wieder passieren. Ich möchte, dass die Jugend Hasspredigern nicht auf den Leim geht“, betont Rosenfeld.

NS Zeitzeuge RosenfeldIn der Emigration meidet Rosenfeld alles Deutsche, ja der Hass bohrt sich bei ihm tief ein. Dies dauert bis zum Jahr 1968. Hans Rosenfeld ist damals 42 Jahre alt, als er bei einer Schifffahrt auf dem Rhein vom Kapitän angesprochen wird, der wusste, dass Rosenfeld Jude ist. „Er entschuldigte sich für das, was Deutsche den Juden angetan hatten, obwohl er überhaupt nichts dafür konnte“, erinnert sich Rosenfeld an sein Schlüsselerlebnis, das bei ihm einen Sinneswandel bewirkt. Rosenfeld überwindet seinen eigenen Hass und findet später seine Lebensaufgabe, nämlich an die Jugend zu appellieren. „Ihr habt keine Schuld für das, was im Dritten Reich geschehen ist, aber ihr habt Verantwortung dafür, dass so etwas nie wieder passiert“, ruft er energisch den Jugendlichen zu, die gebannt dem alten Mann lauschen- und ihn bis weit nach dem geplanten Veranstaltungsende mit Fragen überhäufen. Vor den Rechtsradikalen hat er aber keine Angst. „Sie haben keine Antwort auf die Frage nach ihren Zielen“, dämpft Rosenfeld die Bedenken, die manche Schüler haben.

Weitere Informationen unter: www.hansrosenfeld.blogspot.com

Lernort Staatsregierung – das CEG im Finanzministerium

lernortAm 18.12.2013 fuhren wir (30 Schülerinnen und Schüler aus den Klassen 9a, 10a, 10b und 10c) um 6.30 Uhr morgens nach München, um uns die Staatsregierung genauer anzusehen. Wir hatten uns bei der Anmeldung für das Spezialthema „Die EU als europäischer Finanzraum“ entschieden. Und so kamen wir 2 Stunden und eine lustige Busfahrt später im Finanzministerium an. Dort wartete bereits eine Brotzeit auf uns (Brezeln, wie es sich für Bayern gehört). Der erste Referent erzählte uns etwas über Finanzen im Allgemeinen und erklärte uns anhand eines Organisationsplans, wie die Arbeit im Ministerium abläuft. Nach einer kurzen Pause, in der wir uns alle mit Infomaterial und Taschen mit dem bayerischen Staatswappen zudeckten, informierte uns der zweite Referent über seine Arbeit in der Servicestelle der bayerischen Staatsregierung. Er beantwortet dort Fragen der Bürger zu aktuellen Themen. Anschließend durften wir alle noch einen Einstellungstest ausfüllen, um unser Wissen über Bayern und die Regierung zu testen und aufzufrischen. Danach kam ein Referent, der mit uns ein spannendes Quiz über die EU machte. Anschließend gab es ein reichliches Mittagessen (natürlich auch typisch bayerisch). Nachdem wir alle satt waren, liefen wir mit einem Führer vom Finanzministerium zur Staatskanzlei. Bevor wir hineingingen, machten wir noch einige Gruppenfotos. Der Führer erzählte uns, wieso die Staatskanzlei nicht wie ein übliches Bürogebäude aussieht (der Bau darf mit seinem Aussehen nicht das Aussehen des alten Häuserensembles daneben nicht beeinträchtigen). Abschließend durften wir noch den Saal besichtigen, in dem der Ministerpräsident sich mit den Ministern berät. Um 16 Uhr sind wir erschöpft in den Bus gestiegen und nach Erlangen zurückgefahren, wo wir gegen 18 Uhr angekommen sind. Zum Schluss möchten wir uns ganz herzlich bei den vier Referenten für ihre spannenden und lehrreichen Vorträge bedanken, ebenso bedanken wir uns bei den Lehrern Frau Vogel und Herrn Eisenmann, die uns diesen tollen Ausflug ermöglicht haben. Wir hoffen, dass auch in Zukunft viele Schüler nach München fahren wollen und dürfen, wir zumindest können es nur empfehlen! (Lisa Nöth, Klasse 10)

Workshop Linksextremismus

sozi14-01Demokratie ist nicht selbstverständlich, sondern immer auch gefährdet. Politischer Extremismus wird, kurz gesagt, als Angriff auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung definiert. Welche Gefahren gehen vom Rechtsextremismus und vom Linksextremismus aus? Letzteres stellt hierbei ein bisher kaum erforschtes Phänomen dar. Welche Gruppierungen, Publikationen, Symbole, Argumentationsmuster und Musik gibt es im Bereich Linksextremismus? Wie äußert sich linksextremistische Gewalt? Am 17. Dezember 2013 hat unsere Klasse 10c an einem ganztägigen Workshop zu diesem Thema teilgenommen.

Dafür reiste extra Frau Dr. Tuchscheerer aus Berlin an, Mitarbeiterin der „Deutschen Gesellschaft“. Dieser Verein wurde unmittelbar nach dem Mauerfall gegründet – mit westdeutschen und ostdeutschen Mitgliedern der damaligen Opposition zum SED Regime. Zu den damaligen Gründungsmitgliedern zählten unter anderem auch Berühmtheiten wie Willy Brandt oder Johannes Rau, heute ist auch Angela Merkel Mitglied. Die Gesellschaft startete im Sommer 1990 den ersten Ost-/Westdeutschen Schüleraustausch und leistet mittlerweile vor allem politische Bildungsarbeit zur Stärkung der Demokratie.

In dem Workshop haben wir anhand von Videoanalysen, Postern und Symbolen verschiedene Arten von Extremismus kennengelernt- den fundamentalistischen (religiös motiviert), linken und rechten. Die Gefahren des Rechtsextremismus sind am bekanntesten und er wird allgemein für am gefährlichsten erachtet, während Linksextremismus teilweise nicht in der Politik und Öffentlichkeit wahrgenommen wird.

sozi14-02Um uns über Linksextremismus zu informieren, setzte Frau Tuchscheerer auf verschiedene Vermittlungswege. Beispielsweise analysierten wir einen Film über ein Mitglied einer radikalen linken Gruppierung, dekonstruierten einen linksextremistischen Punksong und erarbeiteten in Gruppen Forderungen verschiedener marxistischen bzw. anarchistischer Parteien. Dabei ist uns aufgefallen, dass der Linksextremismus von Teilen der als weniger fatal betrachtet wird, da linke Grundwerte auf den ersten Blick annehmbar scheinen. Bei genauerer Betrachtung fällt aber auf, dass diese stark zugespitzt und als einzig richtige Möglichkeit einer Problemlösung dargestellt werden. Das gefährdet die Demokratie, weil keine anderen Meinungen mehr zugelassen werden.

Zum Abschluss des Workshops hat die Klasse die Erkenntnisse des Vormittags in Form einer Talkshow zusammengefasst, bei der die teilnehmenden Charaktere verschiedene Meinungen zum Extremismus vertraten – in den Rollen von Polizisten, arbeitslosen Bürgern, Anarchisten des schwarzen Blocks, etc -und so noch einmal zur Diskussion stellten.

Alles in allem war der Workshop vielseitig aufgebaut und sehr abwechslungsreich, sicher eine Bereicherung des regulären Unterrichts. (Marleen Kloosterman und Eva Schleicher, 10c)

Vortrag und Diskussion zum Thema „Migration“ in der Q11

„WAS BRAUCHT ES, BIS EIN MENSCH AUSWANDERT UND ALLES HINTER SICH LÄSST?“

Die Medienlandschaft ist seit Jahren voll mit Meinungen – oder sollte man besser sagen „Vorurteilen“ ? – zum Thema Migration nach Deutschland. Die „Armutsflüchtlinge“, wahlweise aus Rumänien oder Schwarzafrika lösen die „Computerinder“ ab, von denen aber viel zu wenige nach Deutschland kommen wollten.

Das CEG hat für seine 11. Jahrgangsstufe in Rahmen des Sozialkundeunterrichts versucht, ein wenig Licht ins verwirrende Chaos zu bringen: im Dezember 2013 konnte unsere Schule Professor Dr. Rainer Trinczek dafür gewinnen, einen Vortrag mit anschließender Diskussion zum Thema „Migration“ durchzuführen.

Prof. Trinczek ist dabei nicht nur ein ausgewiesener Experte – er betreut z. B. ein Forschungsprojekt zum demographischen Wandel- er kann als Lehrstuhlinhaber der FAU auch das eine oder andere lokale Detail beisteuern.

Die Notwendigkeit von Einwanderung nach Deutschland ist im Zeichen der seit nun fast 50 Jahren sinkenden Geburtenzahlen unbestritten, denn eine alternde Gesellschaft zieht einen Strauß von (eher unangenehmen) Folgen nach sich: die Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme, allen voran der Rente, aber auch die Gefährdung der Produktivität deutscher Unternehmen durch Mitarbeitermangel bis hin- so Trinczek – zu einem Umschwung der politischen Mehrheitsverhältnisse: da in einer Demokratie Parteien darauf angewiesen sind, die Mehrheitsmeinungen und – anliegen zu vertreten, um gewählt zu werden, könnte sich folgendes Szenario einstellen: die Generation 50+ wächst anteilig an der Bevölkerung, zusätzlich aber ist deren Wahlbeteiligung viel höher als die jüngerer Deutscher, so dass die politische Landschaft immer mehr von Älteren und deren Wünschen geprägt sein wird.

In der an diesen Impulsvortrag anschließenden Diskussion mit Schülerinnen und Schülern der Q11 zeigte sich deutlich, dass die junge Generation die positiven Effekte der Einwanderung nicht nur sieht, sondern dass der Umgang von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen für sie eine Selbstverständlichkeit darstellt, sowohl im Schulalltag am CEG als auch in ihrer Freizeit. (Stichwort: CEG als Schule ohne Rassismus-Schule mit Courage)

Die Schülerinnen und Schüler nutzen die Gelegenheit auch, um Prof. Trinczek nach den aktuellen Migrationsentwicklungen zu befragen – und bekamen zur Antwort, dass seit kurzem die hochqualifizierten Migranten deutlich überwiegen, und dass sowohl das Gesamtqualifikationsniveau wie die Erwerbstätigenquote der aktuellen Migranten deutlich über dem deutschen Durchschnitt liegt.

Eine gelungene Veranstaltung – so die Rückmeldung unserer Schülerinnen und Schüler – nicht nur, weil sie die Chance hatten, den aktuellen Stand der Migrationsforschung zu erleben, sondern auch, weil Prof. Trinczek Einblicke in den Universitätsalltag bot- und damit unseren Schülerinnen und Schülern ein wenig Studienorientierung. (U.K.)