09131 / 53 30 3-0 sekretariat@ceg-erlangen.de

 

Geschichte am CEG

 

Themengebiete Geschichte und Selbstverständnis

Die Themengebiete des Faches Geschichte finden Sie in den Lehrplänen für das Fach Geschichte (2018/19: Jgst. 6 LehrplanPLUS G9 / Jgst. 7 – 12 Lehrplan G8).

Die Schüler erlangen durch den Unterricht im Fach Geschichte vertiefte Erkenntnisse über Strukturen, Entwicklungen, Ereignisse und Persönlichkeiten, welche die Vergangenheit geprägt haben und damit auch das Leben in der Gegenwart beeinflussen. Sie erhalten einen Einblick in das Denken und Handeln der Menschen in früheren Zeiten. Ihnen wird bewusst, wie historisches Wissen entsteht, und sie entdecken das Faszinierende an der Beschäftigung mit der Dimension „Zeit“.

Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit fördert die Bereitschaft, sich mit dem zeitlich und räumlich Fernen sowie dem Fremden und Ungewohnten auseinanderzusetzen und ihm mit Offenheit zu begegnen. Im Umgang mit der Geschichte entwickeln die Jugendlichen Verständnis für die unterschiedlichen Lebensformen und Mentalitäten der Menschen in vergangenen Zeiten und damit auch für fremde Kulturen der Gegenwart. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für ihr eigenes Leben in einer von vielfältigen kulturellen Einflüssen geprägten Gesellschaft. Gleichzeitig erleichtert die Beschäftigung mit Zusammenhängen zwischen Vergangenheit und Gegenwart die Orientierung der Schüler in ihrer eigenen Lebenswelt.

Um die Zukunft mitzugestalten, bedarf es der Erkenntnis, dass die Gegenwart historisch bedingt ist. Um den lebensweltlichen Bezug historischen Wissens immer wieder erlebbar zu machen, werden am Christian-Ernst-Gymnasium regelmäßig Zeitzeugen in den Unterricht eingeladen. Auch verlassen die Schülerinnen und Schüler immer wieder die Schule, um Geschichte „vor Ort“ zu erleben. So gehören eine vor- und frühgeschichtliche Exkursion in der 6. Klasse, ein mehrtägiges Projekt zum Thema „Kaiserreich und Erster Weltkrieg“ in der 8. Klasse und eine Fahrt in eine KZ-Gedenkstätte zum festen Projekt- und Exkursionsprogramm unserer Schule.

Ein vertieftes historisches Bewusstsein ist wesentlicher Bestandteil einer politischen Bildung. Das Wissen um die Entstehung sowie um Chancen und Grenzen demokratischer Strukturen führt zur Wertschätzung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland und verdeutlicht die Notwendigkeit gesellschaftlichen Engagements. Im Rahmen der Werteerziehung stärkt der Geschichtsunterricht die Fähigkeit und den Willen zur Abwehr von politischem Extremismus in jeder Form; er fördert die Achtung der Menschenrechte, die Bereitschaft zur friedlichen Zusammenarbeit sowie die Herausbildung eines europäischen Bewusstseins bei gleichzeitiger Anerkennung des Eigenwerts von Regionen und Nationen.

Aus geschichtlichen Erkenntnissen heraus entwickeln die Schüler Möglichkeiten der eigenen Lebensorientierung, indem sie aus der reflektierten Betrachtung der Vergangenheit Prämissen für das eigene Denken und Handeln gewinnen. Für das Fach Geschichte ist dabei die Erziehung zu einer Haltung der Aufgeschlossenheit und Toleranz gegenüber dem Neuen und Anderen auf der Grundlage klarer persönlicher Wertvorstellungen von besonderer Bedeutung.

 

Kollegium Geschichte

  • Fabian Brenner
  • Gregor Fisher
  • Matthias Götz
  • Barbara Grille
  • Matthias Hohenberger
  • Kathrin Kaiser-Lombard
  • Ulrich Keding
  • Dr. Mona Kilau
  • Verena Röckelein
  • Günter Schirmer
  • Klaus Will
  • Monika Winterstein

Außerdem werden am CEG jedes Jahr zukünftige Geschichtslehrkräfte im Seminar ausgebildet, von der Fachschaft betreut und auf die Praxis vorbereitet. 

Berichte

Nach dem Abendessen noch schnell die Welt retten…

Im Iran werden Drohnen abgeschossen, in Europa geht Freitags die Schülerschaft demonstrieren und Korea bastelt an Interkontinentalraketen, damit Atombomben die USA erreichen können – von Rassenunruhen in den USA oder dem Bundeswehreinsatz in Mali ganz zu schweigen:

Um die komplexen Zusammenhänge internationaler Politik und auch die Handlungsspielräume der beteiligten Staaten/Politiker wirklich zu verstehen, hat sich eine Schülerauswahl der 10. Jahrgangsstufe des CEG in die Rollen der Akteure der Weltpolitik begeben – èt voilá: Schon im zweiten Spieljahr z. B. konnte der UNO-Generalsekretär das „Retzbacher Klimaschutzabkommen“ aushandeln und damit den Klimawandel stoppen…

U. Keding

Impressionen von den Projekttagen 2019 der 8. Jahrgangsstufe – im Fach Geschichte

Drei Tage lang das “Leben im deutschen Kaiserreich” erforschen, mit dem Schwerpunkt auf Sozial- und Wirtschaftsgeschichte – also der Industrialisierung in Deutschland.

Die Geschichtslehrer und -lehrerinnen haben dazu wieder einmal die Planungen der letzten Jahre überarbeitet, und so gab es diesmal neben “Merry Xmas” als Filmanalyse zum ersten “industriellen” Krieg, dem ersten Weltkrieg, an einem Tag eine Exkursion nach Nürnberg (Museum Industriekultur) bzw. ins Industriemuseum nach Lauf a.d. Pegnitz – eigentlich topp, dass hier viele Gegenstände zum „Erfassen“ und Verstehen einladen, z.B. eine 130 Jahre alte Dampfmaschine (Photo), aber die verschiedenen Rundgangsleiter haben das museale Potential unterschiedlich gut genutzt…

Der unbestrittene Höhepunkt war aber der Tag im CEG, bei dem im Rahmen eines Lernzirkels mit allen Sinnen, bei freier Zeiteinteilung, spielerisch und handlungsorientiert gearbeitet wurde – siehe Photos…

U. Keding

Das P-Seminar “Digitale Schulhausführung” beim BR

Neben vielen anderen Seminaren startete in diesem Schuljahr in der 11. Jahrgangsstufe auch das P-Seminar „Digitale Schulhausführung“ unter dem Leitfach Geschichte. Ziel unseres Seminars ist es, eine digitale Schulhausführung zu konzipieren und zu erstellen, die sich der multimedialen Möglichkeiten heutiger Technik bedient. So soll eine Brücke zwischen unserer Schul- und Schulhaustradition und dem modernen Leben unserer Schulfamilie geschlagen und ein Beitrag zur Ausgestaltung unserer Schule von und für die Schülerinnen und Schüler geleistet werden. Erfreulicherweise ist es uns gelungen, für dieses Projekt den Bayerischen Rundfunk als externen Kooperationspartner zu gewinnen und so vom hohen Kompetenzniveau im Bereich der technischen und konzeptionellen Gestaltung passender Medien und Inhalte profitieren zu können.

Zum Auftakt des Projekts wurden wir zum P-Seminar-Tag des Bayerischen Rundfunks ins Münchener Funkhaus eingeladen. Zunächst erhielten wir eine Führung durch das Funkhaus und konnten den Sendebetrieb live miterleben. Außerdem erhielten wir spannende Einblicke hinter die Kulissen der Produktion von Radioprogrammen. So konnten wir unter anderem Tonstudios erkunden. Im Anschluss stellten Schulen aus ganz Bayern im Beisein von Vertretern des BR, des Kultusministeriums und des Bayerischen Philologenverbands die Ergebnisse ihrer nun abgeschlossenen P-Seminar-Kooperationen mit dem BR vor. Auch hier war nicht nur die Bandbreite der Projekte, sondern insbesondere auch der Einblick in die Entstehungsprozesse sehr interessant.

Wir freuen uns auf die zukünftige Zusammenarbeit mit dem BR und auf die Arbeit an unserem Produkt und miteinander.

P-Seminar „digitale Schulhausführung“ (Geschichte) / StR Matthias Hohenberger

Steinzeit lebendig am CEG

Am 17. und 18. September unternahmen unsere 6. Klassen im Rahmen ihres Geschichtsunterrichts eine Zeitreise in die Steinzeit. Dort lernten die Schülerinnen und Schüler nicht nur anhand anschaulicher Repliken von Ur- und Frühmenschenschädeln viel über die unvorstellbar lange Phase der Menschheitsgeschichte und die Entstehung des Menschen. Darüber hinaus erwarben die mutigen Zeitreisenden wichtige Fertigkeiten für den täglichen Überlebenskampf. Neben jungsteinzeitlichem Kochen, Töpfern und Schmuck-Anfertigen standen auch die altsteinzeitliche Werkzeugherstellung mit Feuerstein, Geweih und Holz sowie Feuermachen mit Feuerstein, Pyrit und Zunder auf dem steinzeitlichen Stundenplan. Heil und gut verköstigt konnten die Schülerinnen und Schüler ihre Rückreise in die Gegenwart antreten, wo sie nun ausgiebig auf ihre neu erworbenen Überlebenskünste zurückgreifen können. Wir danken für die Möglichkeit, dieses Projekt durchführen zu können, den Damen und Herren vom „Museum im Koffer“.

M. Hohenberger

Indisch-Chinesischer Grenzkonflikt eskaliert…!

So eine Pressemitteilung in der Politiksimulation Pol&IS.

Bereits seit vielen Jahren fester Bestandteil unseres Politikunterrichts, konnten dieses Jahr die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10c “hautnah” in internationale Konflikte und die Lösungsmöglichkeiten der Vereinten Nationen einsteigen…

Drei arbeitsintensive Tage lang bekamen unsere Schülerinnen und Schüler nicht nur Einblick in das Funktionieren der UNO, durch die Rollenübernahme, sei es als UNO-Generalsekretär, Teil einer nationalen Regierung oder als NGOs, wuchs auch das Verständnis für Handlungsspielräume und Zwänge der Politik – ein Projekt, das das CEG sicher in den kommenden Jahren wiederholen wird.

U. Keding

Same procedure as every year…?

Seit nun schon vier Jahren lädt das CEG den ehemaligen Stasihäftling Mario Röllig als Zeitzeugen für die zehnte Jahrgangsstufe nach Erlangen ein, am 18. Juni war es diesmal wieder soweit – zur Klärung der Frage, ob dieser Versuch, die politische Bildung zu fördern, erfolgreich war, der Kommentar einer Schülermutter: “Meine Tochter ist völlig begeistert von dem heutigen Zeitzeugengespräch, sie hat mir jetzt minutiös alles nacherzählt…”

Auch das Fridericianum bzw. das Ohm-Gymnasium haben sich dieses Jahr erstmals mit dem CEG vernetzt, um den dortigen Schülern ebenfalls Einblicke ins Leben in der DDR geben zu können – insofern: eine Tradition, die sicher die kommenden Jahre fortgeführt werden wird.

U. Keding

Terrorismus-Projekt der Klasse 10a

Fünf Wochen lang beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10a intensiv mit dem Thema Terrorismus im Rahmen einer fächerübergreifenden Geschichte-Sozialkunde-Projekts. Sie setzten sich mit der Macht der Bilder und den verschiedenen Gesichter des Terrorismus anhand von NSU, IS und RAF auseinander, befragten Zeitzeugen für eine Dokumentation zum Anschlag auf das das World-Trade-Center und gingen der Frage nach, wie und wieso Menschen zu Terroristen werden und ob der Terror in Israel zur Normalität geworden ist. Ihre Ergebnisse setzten sie in erstaunliche Produkte um, die wieder einmal unter Beweis stellen, wie vielfältig die Begabungen unserer Schülerinnen und Schüler sind.

M. Winterstein

PowerPoint-Präsentation “Wie wird man Terrorist” zum Download

Zeitzeugendokumentation 09-11

by Schülern der Klasse 10a | Podcast mit Zeitzeugen zur Dokumentation des Anschlags auf das World-Trade-Center 2001

Projekttage der 8. Klassen 2017/18

Industriemuseum Lauf

Im Rahmen der dreitägigen Projekttage fuhren die Klassen 8a und 8b am ersten Tag in das Industriemuseum Lauf, um sich über die Industrialisierung an einem regionalen Beispiel zu informieren. Hier konnte man die wirtschaftliche Entwicklung hautnah und in vollem Umfang miterleben. In den Räumen der Firma Dietz und Pfriem wurde zuerst auf Wasserkraft gesetzt, nachdem die Energie hier nicht mehr ausreichte, rüstete der Standort mit einer Dampfmaschine auf, die bis 1985 in Betrieb war und noch heute funktionstüchtig ist. Leider erlaubte die Witterung den Betrieb nicht, ein kleines funktionstüchtiges Modell konnte aber die Funktionsweise veranschaulichen.

Auch die Industriehallen waren beeindruckend und konnten das Arbeitsleben in der Industrialisierung sowie dessen Anstrengungen sicherlich verdeutlichen.
Interessant war auch, beim Gang durch die Räume “in der Zeit stehen geblieben zu sein”. Der letzte Firmeneigentümer vermachte die Gebäude der Stadt Lauf mit der Auflage, alles so zu belassen, wie es am Schließungstag vorhanden war. Das Ergebnis war ein sehr interessanter Rundgang durch 200 Jahre Industriegeschichte.

Gruppenarbeit zur Gesellschaft im Kaiserreich

Am zweiten Tag der Projekttage konnten sich die Schülerinnen und Schüler der Klassen 8a und 8b wie am Vortag bereits die Schülerinnen und Schüler der Klassen 8c und 8d mitten in das Kaiserreich versetzen. Ein äußerst gelungener Lernzirkel, der erneut mit dem Studienseminar in mühevoller Kleinarbeit vorbereitet worden war, beleuchtete dabei Themen wie “Das Kaufhaus”, “Kino und Film”, “Lebens- und Alltagswelt” oder “Schule”.

Dabei wurden die Quellen für die Erarbeitung anregend aufbereitet, es wurden Filme, Spiele und weitere kreative Methoden zu einem gelungenen Gesamtkonzept zusammengefügt. Die Zeit verging wie im Flug und die Klassen waren wirklich begeistert bei der Sache.

Wolfgang Dorn für die Fachschaft Geschichte

“Ich wäre ein angepasster DDR-Bürger gewesen, wenn der Staat mich denn gelassen hätte…”

Mario Röllig spricht vor Schülern der 10. Klasse im CEG

Mario Röllig spricht vor Schülern der 10. Jahrgangsstufe

So berichtet Mario Röllig von seinem Leben in der DDR. Schon im Kindergarten beginnt die systemkonforme Erziehung, in der Grundschule wird es nicht besser: Um 8 Uhr wird zum morgendlichen Fahnenappell gebeten. Alle fein gekleidet, in blauer Uniform. Ist man anders, fällt man auf. Wie auch der heute 49jährige Mario Röllig. Stolz mit einem knallgelben, aus dem Westen stammenden Franz Beckenbauer-Fan-Trikot gekleidet, hebt er sich von der restlichen Gleichheit schon am ersten Schultag ab, weswegen er vor der Klasse gedemütigt und zum Gespräch mit dem Direktor gebeten wird.

Wer kein junger Pionier ist, darf nicht mit auf Klassenfahrt, gehört ganz einfach nicht dazu. Und vier, höchstens sechs von 30 Schülern einer Klasse bekommen die Zulassung zur Erweiterten Oberschule, um das Abitur zu machen. Intelligenz schadet hier zwar nicht, entscheidend ist aber das Elternhaus oder die eigene politische Einstellung. Mario Röllig geht also nach der 10. Klasse von der Schule ab, er wird Kellner im Restaurant des Flughafens Schönefeld in Ostberlin. Ein Job, bei dem man zu DDR-Zeiten viel mehr Geld verdient als jeder Akademiker und der in der Planwirtschaft der DDR wenig mit Service zu tun hat – siehe das DDR-Sprichwort, das die Überschrift dieses Artikels ist…

Das bis dato angenehme Leben ändert sich, nachdem Röllig im Ungarn-Urlaub seinen ersten Freund – Wirtschaftsstaatsekretär der damaligen Westberliner Landesregierung – kennen lernt und regelmäßige Treffen folgen: Die Stasi bittet ihn, regelmäßige Berichte über seinen Freund zu schreiben. Als er sich weigert, als Spitzel zu arbeiten, wollen ihn die Beamten mit einem Trabant oder einer neuen Wohnung „bestechen“. Röllig bleibt hartnäckig und verliert daraufhin seinen gut bezahlten Beruf, Überwachung und Gängelung gipfeln in einem misslungenen Fluchtversuch über Ungarn, es folgen Stasihaft und 1988 sein Freikauf durch die BRD als politischer Gefangener für immerhin 90000 DM.

Mario Röllig ist auf den ersten Blick topfit, hat seit seinem “Umzug” in den Westen weltweit als Barkeeper gearbeitet, aber er hat ein Foltertrauma davongetragen und wird nie wieder der gleiche Mensch wie vor der Haft sein, so sagt er. Darüber zu reden hilft ihm, besser mit den Geschehnissen zu leben und sie zu verarbeiten – und auch dabei ist er mittlerweile durchaus erfolgreich, z. B. als Gastdozent an der University of Charlotte in South Carolina 2015/16 oder durch die Auszeichnung seiner filmischen Biographie auf der Biennale im März 2016.

Für die 10. Jahrgangstufe eine einzigartige Chance der Begegnung mit DDR-Geschichte, aber auch dem persönlichen Umgehen damit nach Ende dieses Staates, das die Schülerinnen und Schüler mit einer Fülle von Fragen intensiv genutzt haben…

U. Keding

Langeweile ist sehr positiv!?

Gruppenbild CEG Schüler im Landtag 2017Dienstag, 20. Juni 2017 – eine 24köpfige Gruppe aus 10. und 11. Klässlern des CEG hat es geschafft, in den bayerischen Landtag eingeladen zu werden – was bei den streng limitierten Besucherzahlen gar nicht so einfach ist – und die “Politik zum Anfassen” begeisterte alle…

Neben einer Führung durchs Gebäude war ein Höhepunkt der Besuch des Ausschusses für den öffentlichen Dienst, wo – trotz des auf den ersten Blick langweiligen Namens – unsere Schüler miterleben konnten, wie Vorschläge gegen die Abwanderung bayerischer Grundschullehrer aus Unterfranken nach Hessen oder Baden-Württemberg diskutiert wurden, oder auch mit Erstaunen feststellten, wie weit das Petitionsrecht eines Bürgers geht – es wurde z. B. über den Antrage eines Gymnasiallehrers entschieden, der einen zu schlechten Abschluss für eine Planstelle hatte, sich aber mit der bizarren Petition “Der Freistaat möge mir eine Planstelle schaffen” an den Landtag gewandt hatte.

CEG Schüler sitzen im Plenarsaal im Landtag 2017Gleichzeitig erlebten die Schüler hautnah, was die glasklaren Mehrheitsverhältnisse in Bayern in der Praxis bedeuten: Wortmeldungen von Abgeordneten der SPD, der Freien Wähler oder der Grünen bedeuten, dass der Großteil der Abgeordneten den Raum verlässt und schon im Gehen das Smartphone zückt, oder nach 10 Minuten mit frischem Kaffee und neu gekaufter Süddeutscher wieder kommt – man muss der Opposition nicht zuhören, weil die Mehrheiten vorher feststehen…

Genau dies war dann auch Thema bei der persönlichen Diskussion mit Landtagsabgeordneten, wo uns je ein Vertreter der CSU-, der FW- und der grünen Fraktion – offenbar war die SPD zu sehr mit Anderem beschäftigt, um einen Abgeordneten für uns frei zu machen – Rede und Antwort standen: in einer lebhaften Diskussion spürten unsere Schüler der Frustration eines Oppositionsabgeordneten nach, loteten mögliche schwarz-grüne Koalitionsoptionen in Bayern aus und wiesen den lokalen CSU-Abgeordneten noch ganz nebenbei auf die Probleme hin, eine passende Halle für mögliche Abiturfeiern zu finden.

Schüler mit Führung im bayerischen Landtag 2017Mithin ein rundum erkenntnisreicher Tag … dass die Landtagskantine mit spontanen Wünschen wie veganem oder lactosefreiem Essen fast überfordert war, war da definitiv Nebensache; und dass uns unser pädagogischer Begleiter vom Landtag versuchte, einzureden, der demokratische Prozess mit vielem Abwägen und Kompromisse finden sei zwar langwierig und langweilig, aber genau das sei eben auch die Garantie, dass der bestmögliche Kompromiss gefunden werde, können wir auch nicht bestätigen – wir fanden es super!

U. Keding, verfasst von Schülern der 10d

Internationale Politik live erleben…

Politik und Internationale Sicherheit kennen lernen und verstehen. Darum geht es bei dem Pol&is – Planspiel, das von der Bundeswehr organisiert wird, um jungen Menschen Politik nahe zu bringen und zu erklären.

Nachdem die organisierenden Jugendoffiziere mittlerweile dünn gesät sind, besonderen Dank an Marius Erbrich, der uns dieses Planspiel ermöglicht hat, obwohl er als einziger Jugendoffizier in Ober- und Mittelfranken VIER Stellen gleichzeitig abdecken muss. Um den Mangel zumindest gerecht zu verteilen, haben sich das Christian-Ernst-Gymnasium Erlangen, das Emil-von-Behring-Gymnasium Spardorf und das Christoph-Jacob-Treu-Gymnasium Lauf zusammengeschlossen.

Zwei Schüler beim Polis Spiel 2017 verkörpern die EU

Die EU

An dem diesjährigen Spiel vom 29.05.–31.05.17 haben 48 Jugendliche dieser drei Schulen teilgenommen, die zum Einen eine Art Uno verkörperten, indem je drei Schüler einen Staat leiteten, zum Anderen wurden aber auch die Rollen weiterer Internationaler Akteure, wie der NGOs oder der Presse, vergeben.

Nach der Rollenverteilung starteten die Staaten mit “realen” Ausgangsbedingungen, also Terrorismus, Staatverschuldung, Klimawandel und einer durchaus ungleichen Verteilung von Gütern wie Strom, Öl, Nahrung und Geld ins erste Spiel- bzw. Polis-Jahr. Schnell wurde den Staaten/Schülern klar, dass miteinander zu kooperieren und Handel zu betreiben der logische Weg zu Frieden und Wohlstand wäre, gleichzeitig kämpften sie aber wie im richtigen Leben mit nationalen Egoismen. Als Abschluss des ersten Jahres wurden in Form einer großen Versammlung, welche die UN-Generalversammlung darstellen sollte, die Resultate der Verhandlungsrunden vorgestellt. Nach jedem Spieljahr wurden durch entsprechende Nachrichtenmeldungen die Folgen des Tuns oder der Untätigkeit der Welt für das Folgejahr zusammen gefasst und bildeten so die Basis des kommenden Polisjahres.

Sechs Schülerinnen und Schüler sitzen beim Polis Spiel 2017 protestierend zusammen

Wie im richtigen Leben – amnesty international protestiert erfolglos gegen russischen Atombombeneinsatz gegen eigene protestierende Bevölkerung

Man hat gemerkt, dass das Spiel am zweiten Tag viel reibungsfreier lief und sich alle allmählich in ihrer Rolle eingefunden hatten. So wurde das am Anfang sehr komplexe Spiel nach und nach immer einfacher und verständlicher, sodass die Teilnehmer langsam anfingen, Politik zu machen und zu verstehen – und genau das ist wohl auch die Haupterkenntnis dieser zweieinhalb Tage: die Funktionsweise der Uno “live” nachzuvollziehen ist sicher hilfreich, aber die Erkenntnis, dass durch diverse Sachzwänge der Handlungsspielraum vieler Staaten doch sehr eingeschränkt ist, und somit vieles, was auf den ersten Blick wünschenswert und naheliegend ist, nur teilweise oder langsam verwirklicht werden kann – und insofern viele Stammtischvorurteile über Politiker, “die nichts machen” schlicht falsch sind.

U. Keding, zusammengestellt aus Schülerinterviews

Projekttage 2016/17: 8. Klassen – Industriemuseum

Impressionen von den Projekttagen der 8. Jahrgangsstufe 2017

Lernzirkel am CEG + Exkursion ins Industriemuseum in Lauf a. d. Pegnitz
U. Keding

Von Berlin nach Franken

röllig_1Ein nicht ganz alltäglicher Lebensweg: Mario Röllig, geboren 1967 in Ostberlin: Eine behütete Kindheit im „real existierenden Sozialismus“, mit privilegierten Eltern.
Der „soziale Abstieg“ beginnt, als der zu diesem Zeitpunkt als gut verdienender Kellner arbeitende junge Mann sich im Urlaub am Plattensee in einen westdeutschen FDP Politiker verliebt und eine Beziehung beginnt. Da besagter westdeutscher Staatssekretär nach außen heterosexuell lebt, wird die Staatssicherheit der DDR (Stasi) aufmerksam und versucht Mario Röllig als Informanten zu gewinnen. Es folgen Fluchtversuch, Haft im Stasigefängnis Berlin Hohenschönhausen, 1988 dann Freikauf durch die BRD und Ausreise nach Westdeutschland.

röllig_2Lange hat ihn seine Vergangenheit verfolgt und auch heute hat sie ihn nicht losgelassen, im Gegensatz zu vielen anderen Opfern des Regimes hat er jedoch die Kraft aufgebracht, sein Schweigen zu brechen. Röllig behauptet zu Recht von sich, Reden sei seine Therapie, und so ist es kein Wunder, dass die Zehntklässler ihn mit Fragen löcherten und die 90 Minuten Veranstaltungsdauer fast zu kurz waren – aber auch, dass er z. B. auch in den USA als Universitätsdozent gefragt ist bzw. bei der diesjährigen Berlinale die Verfilmung seines Lebens präsentiert wurde.

Unsere Zehntklässler bedanken sich für einen nicht alltäglichen Geschichtsunterricht.

U. Keding

Voller Erfolg für P-Seminar “Nationalsozialistische Propagandafilme”

bild1Das P-Seminar Geschichte hat mit durchschlagendem Erfolg seine Praxisphase abgeschlossen:
In Kooperation mit dem Stadtmuseum Erlangen haben unsere Schülerinnen vier Propagandafilme der NS-Zeit an vier Abenden öffentlich gezeigt und ihre manipulative Wirkung im Rahmen einer Diskussion dekonstruiert. Es handelte sich um exemplarisch ausgewählte Vorbehaltsfilme, die jeweils eine Phase der NS-Herrschaft beispielhaft widerspiegeln und aufgrund ihrer propagandistischen Wirkung nur im Rahmen von historischen Seminaren wie dem unseren gezeigt werden dürfen.
Trotz des nicht einfachen Themas fanden sich teilweise über 70 interessierte Zuschauer pro Abend im Stadtmuseum ein und sorgten für eine lebhafte, tiefgründige Diskussion.
bild2An dieser Stelle auch danke an das Team des Stadtmuseums für Beratung und Öffentlichkeitsarbeit – das nächste Kooperationsprojekt zwischen dem CEG und dem Stadtmuseum ist bereits in Arbeit.
Ausführliche Berichte finden sich dazu auch auf den Seiten der Nürnberger Nachrichten www.nordbayern.de:

U. Keding, Seminarleiter

Diskussion statt Manipulation!

Filmpropaganda_NS-ZeitDas P-Seminar Geschichte präsentiert in Kooperation mit dem Stadtmuseum Erlangen eine Veranstaltungsreihe zur Filmpropaganda in der NS-Zeit. Dabei werden exemplarisch ausgesuchte NS-Propagandafilme gezeigt und ihre manipulative Wirkung dekonstruiert.
Interessierte sind herzlich eingeladen!

Ulrich Keding

„Ich wollte doch bloß frei sein“

„Ich wollte doch bloß frei sein“
Mario Röllig, ein DDR-Zeitzeuge erzählt von weit mehr als vom Stasi-Knast

bild 1 röllig 30.6.Ein leichtes Raunen setzt ein, als die CEG-Schülerinnen und Schüler auf einen Zeitzeugen aus der ehemaligen DDR treffen. Vor ihnen steht ein jugendlicher, baumlanger, kurzhaariger Mann, ganz in schwarz gekleidet, der einen unverkrampften Eindruck macht. Irgendwie hatten sie ihn sich anders vorgestellt, wie genau wusste aber keiner zu erzählen.

“Eigentlich wäre ich zufrieden gewesen mit der DDR”, sagt Mario Röllig über seine Jugend, „ich hatte einen privilegierten Job im Flughafenrestaurant und Geld – vermutlich wäre ich als angepasster DDR Bürger durchs Leben gegangen, wenn das alles nicht passiert wäre.”

Aber es ist so viel passiert, dass Röllig, Sohn zweier SED Mitglieder, Thälmannpionier und FDJler, sich heute als “demokratischer Antikommunist” bezeichnet. Das alles hat die Stasi aus ihm gemacht.

Röllig redet munter drauflos, er ist zwar das zweite Mal am CEG, war aber schon seit fast zehn Jahren immer wieder an anderen Schulen im Großraum Nürberg/Erlangen als Gesprächspartner an Schulen, nie käme man auf die Idee, dass er heute noch Angst hat, vor grellem Licht oder dem Geräusch von Zweitaktmotoren – eine „Erinnerung“ an seine Inhaftierung in Stasigefängnis in Berlin-Hohenschönhausen. Für ihn ist die Zeitzeugentätigkeit am CEG gleichzeitig eine Art Therapie.

Mit 17 verliebt er sich am Plattensee in einen älteren westdeutschen Herrn- den damaligen Wirtschaftsstaatssekretär der Regierung Kohl. Da die Stasi ihn immer mehr unter Druck gesetzt hatte, seinen Geliebten auszuspionieren und beide die Beziehung über die Berliner Mauer hinweg als unbefriedigend empfinden, wagt Röllig1987 einen Fluchtversuch, wird aber an der ungarisch-jugoslawischen Grenze gefasst.
Die ungarischen Genossen übergeben den Republikflüchtling an die Ostberliner Staatssicherheit. In einem Gefängnistransporter (Barkas 1000- für die Autokenner), fahren sie ihn vom Flughafen Schönefeld nach Hohenschönhausen. Sie drohen ihm: “Wir sind die Staatssicherheit. Wir müssen nicht nett zu Ihnen sein.” Und sie machen ihm Angst. Beobachten ihn durch den Spion beim Toilettengang. Verhören ihn mal über Stunden, dann wieder tagelang gar nicht. Sie malen ihm in den schillernsten Farben aus, wie es einem Schwulen im Knast ergeht. Drohen, seine Eltern zu verhaften oder seine Nichte zwangsadoptieren zu lassen.

bild 2 röllig 30.6.Drei Monate bleibt er inhaftiert, im September 1987 wird er entlassen – in die DDR. Erst ein halbes Jahr später wird er für 40 000 DM freigekauft.
Es folgt eine Zeit des Abenteuers und großen Geldes: Reiseleiter in Russland (die erste Fremdsprache des DDR Schulsystems machte sich bezahlt), Barmann in Los Angeles.

Seit 1999 lebte Mario Röllig wieder in Westberlin, er arbeitete als Zigarrenverkäufer im KaDeWe. Ein Kunde verlangt Zigarren- es ist sein Verhöroffizier aus Hohenschönhausen, der sagt: “Was wollen Sie von mir? Reue ist was für kleine Kinder. Wofür soll ich mich bei Ihnen entschuldigen? Sie sind doch ein Verbrecher.” Mario Röllig bricht zusammen.Die Erinnerungen an die Inhaftierung kommen wieder hoch. Er schließt sich zu Hause ein, unternimmt einen Selbstmordversuch. Er wandert für Monate in die Psychiatrie. Die alte Angst hat ihn wieder ganz fest im Griff.
Seine Therapie heute: die Sorge um seinen Hund – und über das Erlebte sprechen. Die konzentrierte, aufmerksame Ruhe und die teilweise langen Gespräche mit Schülern nach dem offiziellen Teil des Zeitzeugengesprächs zeigen, dass Mario Röllig unsere Schüler gefesselt hat und ihnen einen plastischen Eindruck vom Leben in einer Diktatur vermittelt hat.

PS: Im kommenden Jahr wird Mario Röllig unserer 10. Jahrgangsstufe leider nicht als Zeitzeuge zur Verfügung stehen, er wird als Dozent für DDR-Geschichte an der Universität Charlotte/South Carolina tätig sein.

“Euch trifft keine Schuld! Aber ihr habt die Verantwortung, für die Freiheit zu kämpfen!”

“Euch trifft keine Schuld! Aber ihr habt die Verantwortung, für die Freiheit zu kämpfen!”
Gespräch mit dem Zeitzeugen Hans Rosenfeld

Zeitzeuge RosenfeldDen Tag, an dem er Neumarkt verließ, weiß Hans Rosenfeld noch ganz genau: Es war der 22. Januar 1937. Im Alter von nicht einmal elf Jahren emigriert der Junge mit seinen Eltern zu Verwandten nach Argentinien. Für Juden ist es höchste Zeit, das Land zu verlassen.

Der braune Ungeist, der im Holocaust gipfeln sollte, greift immer mehr um sich. Rosenfeld, einer der noch wenigen lebenden Zeitzeugen, kommt aus New York, seinem Wohnsitz, nach Deutschland, um dort vor Schulklassen seine Erlebnisse, besonders die aus der Kindheit, zu schildern.

Er wurde 1926 in dem kleinen Ort Schopfloch bei Ansbach als Sohn eines Wollfabrikinhabers geboren. Sehr ergreifend schilderte er die Situation, der die gesamte Familie während der NS-Zeit ausgesetzt war. Von den Diskriminierungen, die der kleine „Judenbub“ während der Grundschulzeit ausgesetzt war, bis hin zu dem naiven Versuch in einer größeren Stadt in Neumarkt in der Oberpfalz unterzutauchen lässt er die Zuhörern am Lebensweg und schließlich auch am Fluchtweg der Familie Rosenfeld teilhaben.

Heute treibe eine Mission treibt Rosenfeld an. „So etwas wie das Dritte Reich darf nie wieder passieren. Ich möchte, dass die Jugend Hasspredigern nicht auf den Leim geht“, betont Rosenfeld.

NS Zeitzeuge RosenfeldIn der Emigration meidet Rosenfeld alles Deutsche, ja der Hass bohrt sich bei ihm tief ein. Dies dauert bis zum Jahr 1968. Hans Rosenfeld ist damals 42 Jahre alt, als er bei einer Schifffahrt auf dem Rhein vom Kapitän angesprochen wird, der wusste, dass Rosenfeld Jude ist. „Er entschuldigte sich für das, was Deutsche den Juden angetan hatten, obwohl er überhaupt nichts dafür konnte“, erinnert sich Rosenfeld an sein Schlüsselerlebnis, das bei ihm einen Sinneswandel bewirkt. Rosenfeld überwindet seinen eigenen Hass und findet später seine Lebensaufgabe, nämlich an die Jugend zu appellieren. „Ihr habt keine Schuld für das, was im Dritten Reich geschehen ist, aber ihr habt Verantwortung dafür, dass so etwas nie wieder passiert“, ruft er energisch den Jugendlichen zu, die gebannt dem alten Mann lauschen- und ihn bis weit nach dem geplanten Veranstaltungsende mit Fragen überhäufen. Vor den Rechtsradikalen hat er aber keine Angst. „Sie haben keine Antwort auf die Frage nach ihren Zielen“, dämpft Rosenfeld die Bedenken, die manche Schüler haben.

Weitere Informationen unter: www.hansrosenfeld.blogspot.com