Konzeption für das Sozialprojekt
1. Ursprung des Projekts
Die Idee für dieses Praktikum geht zurück auf den Freiburger Professor für Theologie/Religions-pädagogik an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe, Dr. Lothar Kuld. Er bezeichnet das Sozial-praktikum als Compassion-Projekt. Der Begriff Compassion ist schwer zu übersetzen, er steht für eine Haltung des Erbarmens und der Zuwendung, der Hilfsbereitschaft und Solidarität mit denen, die sich nicht selbst helfen können. Dieses Engagement ist nach Johann Baptist Metz die Mitgift des Christentums für die entstehende Weltgemeinschaft. Nach ihm lautet der Auftrag des Christen-tums: Hinschauen, die Augen öffnen und Mit-Leidenschaft entwickeln mit den Schwachen.
2. Ziele und Chancen des Projekts
- Schülerinnen und Schüler erhalten in diesem Projekt die Möglichkeit, Erfahrungen mit Menschen in sozialen Einrichtungen zu machen, mit denen sie im Alltag nicht in Berührung kommen.
- Gegen die Trends der Entsolidarisierung und Individualisierung soll das Projekt die Entwicklung neuer Handlungsbereitschaften unterstützen, aus denen heraus Menschen gerne Kontakt suchen und helfen, weil sie sehen, dass Helfen auch “Spaß” macht.
- Es geht darum, in Kontakt zu kommen mit behinderten Menschen, Kranken, Alten, Obdachlosen, Asylsuchenden, kleinen Kindern und Menschen am Rand der Gesellschaft.
- Die Schülerinnen und Schüler sollen lernen, diesen Menschen zunächst einmal zu begegnen, mit ihnen zu kommunizieren, ihnen zu helfen, wo und womit sie können.
- Bei alledem sollen sie erkennen, dass sie es mit Menschen zu tun haben, die sind “wie wir”, die sogenannten “Normalen”, und die ein Recht haben zu sein, wie sie sind.
- In diesen Begegnungen geht es – wie die Erfahrungen an anderen Schulen zeigen – nicht nur um “Mitleid”, wie der Begriff Compassion nahelegen könnte, sondern es geht um einen wechselseitigen und dialogischen Prozess, in dem beide Partnerinnen und Partner voneinander lernen, in dem ihnen “die Augen aufgehen” und in dem ihnen bewusst wird, dass das Recht auf Leben keine Grenze kennt.
3. Umsetzung am Christian-Ernst-Gymnasium
Die Lehrerkonferenz hat im Herbst 2000 beschlossen, für die 10. Jahrgangsstufe die Möglichkeit eines dreitägigen Sozialpraktikums als jährliches Angebot einzurichten, zu organisieren und durchzuführen. Das Praktikum stellt eine Form des außerunterrichtlichen Lernens dar und wird als Schulveranstaltung betrachtet. Aber ist es nicht zu verantworten, Schülerinnen und Schüler zu dieser Form des Lernens zu verpflichten. Die guten Erfahrungen der letzten beiden Jahre, in denen ausnahmslos alle Schülerinnen und Schüler an diesem Praktikum teilgenommen hatten, und die positiven Rückmeldungen bestätigen die Akzeptanz des Sozialprojekts bei Eltern, Schülerinnen und Schülern, die die Tage in den Einrichtungen und die Auswertung gewinnbringend und erfahrungsreich erlebten.
Die Zusammenarbeit im Projekt erfolgt mit den Verantwortlichen der Caritas (kath. Kirche) und Diakonie (ev. Kirche), sowie mit anderen Trägern der Sozialarbeit und des Gesundheitswesens. Inzwischen haben wir dank der großzügigen und kompetenten Unterstützung dieser Träger ein Angebot von 50 Praktikumsplätzen. Erfreulich ist auch, dass jedes Jahr durch das Engagement von Schülerinnen, Schülern und Eltern die Angebotspalette der Praktikumsplätze erweitert wird. Falls Eltern und/oder Schülerinnen und Schüler über die von uns angebotenen Praktikumsplätze hinaus Kontakte zu anderen sozialen Einrichtungen haben oder knüpfen wollen, lassen Sie uns dies bitte wissen!
In den folgenden Schritten setzen wir das Konzept um:
- Information der Eltern, Schülerinnen und Schüler im November im Rahmen der Klassenelternversammlung bzw. des Unterrichts.
- Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf das Praktikum im Rahmen des Religions-, Ethik- oder Sozialkundeunterrichts.
- Vorstellung der für das Praktikum möglichen Einrichtungen in einer Jahrgangsstufenversammlung im Dezember.
- “Bewerbungsphase” der Schülerinnen und Schüler bei den einzelnen Einrichtungen im Januar durch ein Exposé, bei deren Abfassung die Lehrkräfte für Deutsch unterstützend mitwirken. In diesem Exposé stellen sich die Schülerinnen und Schüler mit biografischen Daten und Hobbies kurz vor und legen dar, warum sie sich gerade für die gewählte Einrichtung interessieren.
- Besuch der Einrichtungen von Mittwoch Morgen bis Freitag Mittag in der 2. – 4. Februarwoche. Die Schülerinnen und Schüler können alleine oder in Zweier- bis Vierergruppen die von ihnen gewählten Projekteinrichtungen besuchen.
- Auswertungstage vom Freitag Abend bis Samstag Abend auf Burg Feuerstein/Ebermannstadt. Hier sollen die Erfahrungen reflektiert, bearbeitet und ausgetauscht werden. Die Reflexion schließt direkt an das Praktikum an, damit die Erfahrungen noch präsent sind und entsprechend aufgearbeitet werden können. So müssen die Schülerinnen und Schüler mit den manchmal neuen, verunsichernden oder auch sehr existenziellen Erfahrungen nicht alleine in das Wochenende, sondern finden einen Rahmen, wo solche Erfahrungen aufgefangen und mit Anderen ausgetauscht werden können. Die Arbeit in Kleingruppen mit verschiedenen Methoden aus der außerschulischen Jugendarbeit wird von einem Team von 4 bis 5 Lehrkräften geleitet und begleitet. Für dieses Wochenende fallen Kosten in Höhe von ca. 25 Euro an.
- Abfassung eines kurzen Erfahrungsberichts in den Praktikumsgruppen im Anschluss an die Praktikumswoche und Angebot zur Erstellung einer Praktikumszeitung, wenn sich ein Redaktionsteam aus dem Jahrgang findet, das vom Praktikumskoordinator unterstützt wird.




