Christian-Ernst-Gymnasium Erlangen

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Schüleraustausch Italien

Schüleraustausch mit Lecce

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Seit 1999 besteht ein regelmäßiger Schüleraustausch zwischen dem CEG und dem Istituto tecnico Grazia Deledda in Lecce/Apulien (www.itasdeledda.le.it). Alle zwei Jahre fährt eine Gruppe von ca. 20 Italienisch-Schüler/innen unserer Schule im Frühjahr für etwa 10 Tage nach Lecce, wo sie jeweils bei der Familie ihrer Austauschpartner/innen untergebracht sind. Ein paar Wochen zuvor oder danach kommen die Italiener/innen zum Gegenbesuch nach Erlangen und wohnen hier ebenfalls in den Familien. Der Schüleraustausch mit Lecce wurde von der ersten Italienischlehrerin am CEG, Frau Brigitte Ziel, und ihrer italienischen Kollegin Frau Mafalda Rizzelli ins Leben gerufen. Mittlerweile haben bereits 10 Begegnungen stattgefunden, die seit einigen Jahren auf italienischer Seite von Frau Rita Cicala und von Seiten des CEG von Frau Kuen betreut werden.

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 25. Oktober 2008 um 06:00 Uhr
 

Scambio 2008

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„Primavera italiana“ – Schüleraustausch mit dem „Grazia Deledda“ in Lecce

„Lecce – wo liegt denn das?“ – im tiefsten italienischen Süden, fast „am Ende der Welt“ (so nannte man in der Antike den Punkt des Stiefelabsatzes, an dem das ionische und das adriatische Meer zusammenfließen), 1600 km von Erlangen entfernt oder auch 26 mehr oder weniger schlaflose Stunden im vollbesetzten Zug auf kleinstem Raum mit nächtlicher Unterhaltung durch das regelmäßige Kontrollieren der Tickets zwischen den verzweifelten Schlafversuchen auf Koffern, Gepäckablagen oder klein zusammengefaltet auf dem  Sitz, inklusive eines dreieinhalbstündigen „Marsches durch Rom“, dessen Fotoausbeute einen einwöchigen Aufenthalt vorspiegeln konnte.

In typisch deutscher Erwartung einer pünktlichen Ankunft blockierten wir mit einer Gefühlsmischung aus Aufregung, Nervosität, Unsicherheit und Vorfreude schließlich schon eine halbe Stunde vor dem Eintreffen in Lecce Gänge und Türen und probten ein letztes Mal unser „Überlebensitalienisch“ („Mi chiamo ...“, „come stai?“, „Dov’è il bagno?“, „Sono sazio!“). Dann endlich – Lecce in Sicht!

Ein paar Augenblicke und Küsschen später saß man schon im Auto Richtung „Neues Zuhause“. Der gute Vorsatz, gleich italienisch zu sprechen, wurde durch quietschende Reifen, hupende Autos und schimpfende Italiener schnell zunichte gemacht.

Der italienische Fahrstil blieb während des Lecce-Aufenthalts gleich, unsere Sprachkenntnisse aber wurden zum Glück von Tag zu Tag besser, auch wenn kleinere Missverständnisse unvermeidlich waren, z.B. der Versuch mit der Wendung „sono salato“ (ich bin gesalzen) statt „sono sazio“ (ich bin satt) auszudrücken, dass auch deutsche Mägen über eine begrenzte Aufnahmekapazität verfügen. Nicht nur unsere Verständnis für die italienische Sprache verbesserte sich allmählich, sondern auch für die sprichwörtliche „dolce vita“, die beneidenswert gelassene Lebensart der Italiener. Begann die Schule offiziell um 8.00 Uhr, dann war doch immer noch Zeit für einen Espressino in der Bar gegenüber (glücklicherweise stellte sich die rötliche, zähe Flüssigkeit, die der Keller dabei in die Tasse gegossen hatte, doch nicht als Ketchup, sondern als Schokoladensauce heraus).

Interessant waren für uns die Einblicke in den Schulalltag unserer Austauschpartner. Das Istituto tecnico G. Deledda besuchen wie übrigens auch die anderen Regelschulen in Italien auch Jugendliche mit geistigen oder körperlichen Behinderungen verschiedenster Art. Sie nehmen am normalen Klassenunterricht teil, soweit das sinnvoll ist, und werden darüber hinaus in Kleingruppen speziell gefördert. Bewusst wird auf spezielle Förderschulen, wie wir sie aus Deutschland kennen, verzichtet. So gelingt die Integration von Menschen mit einem Handicap bereits im Kindes- und Jugendalter wie selbstverständlich.

Neben dem Unterricht, der nur vormittags, aber auch samstags stattfindet, konnten wir bei einer Stadtführung und verschiedenen Ausflügen auch Lecce und seine Umgebung kennen lernen. Dabei beeindruckten nicht nur die Landschaft des Salento mit seiner „roten Erde“ und den rassigen Meeresküsten, sondern auch Städte wie Alberobello mit den typisch apulischen Trulli, Otranto mit einem riesigen Fußbodenmosaik in der Kathedrale oder Gallipoli mit seinem Sandstrand, von dem aus nur Deutsche um diese Jahreszeit in Badehose und Bikini ins Meer stechen und dabei von den Einheimischen staunend beobachtet werden.

Außer dem Vertiefen der sprachlichen und kulturellen Kenntnisse stand natürlich die zwischenmenschliche Begegnung mit unseren Austauschpartnern im Mittelpunkt. Nicht alle „Pärchen“ harmonierten zwar zu jeder Zeit problemlos, aber die emotionale Gastfreundschaft und die besondere italienische Herzlichkeit konnte jede/r von uns in den Familien erfahren. Sie zeigte sich dann auch beim tränenreichen Abschied am Abschlussabend und bei der Abreise am Bahnhof von Lecce, der nicht vermuten ließ, dass man sich schon bald wieder sah.

Denn der Abschied bedeutete keine Trennung von langer Dauer: Schon drei von erfolgreicher Italienisch-Klausur und hektischen Vorbereitungen geprägten Wochen später begrüßten wir unsere Gäste aus Lecce am Nürnberger Flughafen. Die Überraschung des Empfangs mit der italienischen Nationalhymne, gespielt von der Bigband des CEG, war offensichtlich gelungen. Nun begann für die italienischen Schüler/innen das Abenteuer, sich zehn Tage lang in einer fremden Sprache und Kultur zurechtzufinden, was durch die Gastfreundschaft und Herzlichkeit in den deutschen Familien natürlich wesentlich erleichtert wurde. Auch hier kam es gelegentlich zur „Sprachverwirrungen“, wie der interessierten Nachfrage einer Italienerin bei ihrer deutschen Partnerin, ob sie schon ihre Katze „gegessen“ habe (gemeint war wohl eher „gefüttert“), oder der falschen Auskunft des Wörterbuchs in einem Beziehungsproblem, bei dem die Italienerin erklären wollte, dass das „Aus“ mit ihrem Freund an dessen „Eifersucht“ lag, sie im Wörterbuch für „geloso“ jedoch auf die Schnelle nur die Übersetzung „Maulbeerbaum“ finden konnte.

Neben der deutschen Sprache erschloss sich für unsere Gäste während ihres Aufenthalts auch immer mehr die deutsche (oder besser gesagt fränkisch/bayerische) Lebensart bei Ausflügen nach Bamberg, Gößweinstein, München und Nürnberg. In der Fränkischen Schweiz konnten sie endlich einmal am eigenen Leib erfahren, was das deutsche Wort „wandern“ bedeutet und wie es sich vom italienischen „camminare“ unterscheidet. Wahrscheinlich belassen es die meisten von ihnen bei dieser „einmaligen“ Erfahrung. Die Vorzüge der fränkisch-bayerischen Küche lernten sie dann bei einem gemeinsamen Abendessen mit Bärlauchsuppe, Schweinebraten bzw. Spargel und Lebkucheneis in Kalchreuth zu schätzen.

Doch außer dem Vergnügen war auch „harte Arbeit“ angesagt: Nicht nur repräsentative Pflichten, wie der Empfang bei Bürgermeister Lohwasser im Rathaus, eine „anstrengende“ Stadtrallye durch Erlangen oder hitzige Diskussionen über die gegenwärtige italienische Politik mit dem LK Sozialkunde, sondern auch die Vorbereitung der „Primavera italiana“, einer öffentlichen Präsentation von italienischer Musik, traditionellem salentinischen Tanz und mediterraner Küche auf dem Rathausplatz in Erlangen kosteten wertvolle Kräfte, die man eigentlich für die langen Disco-Abende aufsparen wollte. Entsprechend war schließlich die Kondition bei allen Beteiligten am Abschlussabend und bei der Verabschiedung am Flughafen sichtlich erschöpft.

Dennoch wird uns der Austausch als schönes, in jeder Hinsicht erfahrungsreiches Erlebnis in guter Erinnerung bleiben. Sicher bedeutete der Abschied für einige von uns kein „addio“ (Lebewohl), sondern ein „arrivederci“ (Auf Wiedersehen)!

 

 

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 25. Oktober 2008 um 06:02 Uhr