Christian-Ernst-Gymnasium Erlangen

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Umfassender gymnasialer Bildungsauftrag

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Das im Lehrplan formulierte Profil des G8, das die Vermittlung von Schlüsselkompetenzen auf der Basis ei­nes fundierten Grundwissens als Vorbereitung auf Studium und Beruf vorsieht, stellt jede Schule vor die Aufgabe, die eigene Arbeit vor diesem Anspruch zu hinterfragen und gegebenenfalls neu daran auszurich­ten.

Als wir am CEG im Jahr 2003 den „umfassenden gymnasialen Bildungsauftrag“ explizit in unser Schulprofil aufgenommen haben, war es die Absicht zu betonen, dass die Orientierung an einem musischen Schwer­punkt nicht bedeutet, die naturwissenschaftliche und mathematische sowie die geisteswissenschaftliche Bildung an den Rand zu drängen, sondern auch in diesen Bereichen das Verständnis der Schülerinnen und Schüler zu vertiefen und Talente zu fördern.

Mit der Einführung des G8  und der Reform des Lehrplans mit seinem zugrunde liegenden konstruktivisti­schen Bildungskonzept stellte sich für uns die Frage:   Was bedeutet die Neuausrichtung hin zu einem kon­struktivistischen Bildungskonzept für unseren Anspruch, einen „umfassenden gymnasialen Bildungsauftrag“ zu erfüllen?

Folgende Kernelemente des G8-Lehrplankonzepts begreifen wir als wesentliche Herausforderungen für un­sere Schulgemeinschaft - sowohl im Bereich des Unterrichts, aber auch der Schulorganisation und der ge­samten Schulkultur:

  • das Verständnis des Schülers als „Konstrukteurs“ seiner Wirklichkeit mit der Folge einer Erweiterung der Lehrerrolle: Berater und Partner
  • eine damit verbundene deutliche Stärkung schülerzentrierter Unterrichtsformen (z.B. LdL), eigenver­antwortlicher Projektarbeit  und neuer Lehrkonzepte (z.B. Teamteaching)
  • die Weitung des Horizonts über die Schule hinaus durch regelmäßige und vielfältige Zusammenar­beit mit außerschulischen Partnern
  • eine fächerübergreifende Kompetenzorientierung, die sich nicht auf die Sach- und Methodenkom­pe­tenz konzentriert, sondern auch die Sozial-, vor allem aber die Personalkompetenz im Blick hat
  • schließlich die praktische Verwirklichung der Grundlagen eines solchen Bildungskonzepts durch Indivi­dualisierung und Differenzierung, Ganzheitlichkeit und die bewusste Förderung von Kreativi­tät in allen Bereichen

Seit der Einführung des G8-Lehrplans wird unter Lehrkräften schulübergreifend, teilweise gefördert durch offizielle Verlautbarungen, eine beinahe schon „ideologisch“ anmutende Diskussion geführt, ob bei der an­gestrebten  Kompetenzorientierung nicht das „Grundwissen“ zu kurz käme. Daher schien der Beginn des G8 vorwiegend geprägt vom Erstellen von Grundwissenskatalogen durch einzelne Fachschaften, Gremien im ISB und Schulbuchverlage. Auch an unserer Schule einigten sich die Fachschaften jeweils auf ein Grund­wis­sen pro Jahrgangsstufe, das im Lauf der Jahre immer weiter gefestigt werden sollte.

Die fachschaftsinternen und -übergreifenden Diskussionen an unserer Schule ließen jedoch rasch erkennen: „Grundwissen“ und „Kompetenzen“ dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden; vielmehr ist beides komplementär zu verstehen. Das Grundwissen begreifen wir als einen Kompetenzbereich, nämlich die „Sachkompetenz“.

Die Diskussionen mündeten im März 2010 schließlich in eine Pädagogische Gesamtkonferenz zum Thema „Fächerübergreifende Kompetenzvermittlung“. Ziel war es, den Prozess, der in einzelnen Fächern schon recht weit vorangeschritten war, auf andere Fächer zu übertragen und noch betonter fächerübergreifend zu denken und zu arbeiten. In einem Gruppenpuzzle wurden zunächst die Vorstellungen und Möglichkeiten der einzelnen Fächer zusammengetragen, um sie anschließend thematisch geordnet miteinander abzu­stimmen. Anschließend wurden im Plenum folgende Zielvereinbarungen getroffen:

-          Einführung des „Leitfachprinzips“, das in der Unterstufe bestimmte Kompetenzen grundlegt, auf die die anderen Fächer dann Bezug nehmen können und sollen (z.B. Deutsch 5: Lesekompetenz, Latein 6: LdL)

-          Einführung von Pädagogischen Klassenkonferenzen (zunächst für die Unterstufe) zu Beginn des Schul­jahrs und zum Halbjahr, um Formen und Inhalte fächerübergreifender Zusammenarbeit zu vereinbaren, aber auch (im Blick auf die Bereiche der Personal- und Sozialkompetenz) um über ein­zelne Schüler/-innen und die Klassensituation zu sprechen.

-          Stärkung des Doppelstundenprinzips, u.a. um mehr Zeit für schülerzentrierte Unterrichtsformen zu ha­ben .

Am Ende des Schuljahrs 2011/12 soll eine Zwischenbilanz gezogen und anhand der Erfahrungen erörtert werden,

-          ob die Pädagogischen Klassenkonferenzen auf die JGS 8-10 ausgeweitet werden sollen,

-          ob das Doppelstundenprinzip weiter forciert werden soll,

-          wie das fächerübergreifende Kompetenzmodell erweitert werden kann.

Ein Bereich, der an unserer Schule bereits traditionell fächerübergreifend und kompetenzorientiert ausge­richtet ist, ist die Projektarbeit und damit verbunden auch die Zusammenarbeit mit außerschulischen Part­nern. Mit der begrüßenswerten Einführung der P-Seminare in der Oberstufe rannte man bei uns „offene Türen“ ein, da es am CEG bereits viele Projekte gab, die über den „normalen“ Unterricht hinaus liefen und von Lehrkräften und Schüler/-innen oft in ihrer Freizeit durchgeführt wurden.

Ein signifikantes Beispiel dafür ist das Sozialpraktikum in unseren 10. Klassen, das in diesem Schuljahr zehnjähriges Jubiläum feierte und damit „älter“ ist als das in viele Schulen mittlerweile etablierte Wirt­schaftsprak­tikum, das die Schüler/-innen bei uns in der 9. Klasse durchlaufen, das aber doch eine andere Zielrichtung verfolgt als das Sozialpraktikum.

Wir arbeiten dabei mit außerschulischen Partnern aus dem sozialen Bereich zusammen, wie z.B. der Caritas Erlangen, der Lebenshilfe, der Erlanger Tafel, der Bahnhofsmission, Krankenhäusern, Kindergärten usw. Die Schüler/-innen werden im Religions- und Ethikunterricht in die Thematik eingeführt und suchen sich aus einem breiten Angebot einen Praktikumsplatz für drei Tage aus. Anschließend werden die Erfahrungen im Deutsch- und im Religions-/Ethikunterricht schriftlich und mündlich reflektiert. Für viele Schüler/-innen sind die drei Tage existenziell neue Erfahrungen, da sie erstmals ihre „heile Welt“ verlassen und feststellen, wie viel soziale Not es vor ihrer Haustür gibt.

Neben dem Sozialprojekt und kleineren klasseninternen Projekten beteiligen sich einzelne Klassen immer wieder erfolgreich mit Gemeinschaftsarbeiten an Wettbewerben im naturwissenschaftlichen und musi­schen, aber auch im gesellschaftlich-politischen Bereich. So konnten in den letzten Jahren u.a. zwei Klassen jeweils einen Hauptpreis (einwöchige Klassenfahrten) beim Wettbewerb der Bundeszentrale für Politische Bildung gewinnen.

Eine wesentliche Bereicherung für unser Schulleben stellen die P-Seminare  der Oberstufe dar, da die dabei geknüpften Kontakte  zu außerschulischen Partnern oft bestehen bleiben und weitere kleinere Projekte nach sich ziehen (z.B. Ausstellung über unsere Schulgeschichte im Erlanger Stadtmuseum in Zusammenar­beit mit dem Schulmuseum Nürnberg).

Projektarbeit steht schließlich auch im Mittelpunkt unserer jährlich stattfindenden Aktionstage, die in der Regel von einzelnen Klassen oder der SMV initiiert und zusammen mit Eltern(beirat), Schulleitung und Leh­rerkollegium organisiert und durchgeführt werden. Auch dabei werden stets zahlreiche außerschulische Partner für Einzelprojekte hinzugezogen. In den letzten Jahren konnten wir auf diese Weise gemeinsam einige Großprojekte, wie z.B. einen Erlangen weiten Fahrradaktionstag, einen Umweltprojekttag, einen Aktionstag „Schule ohne Rassismus“  stemmen.

Bei vielen Diskussionen über die Kompetenzorientierung am Gymnasium hat man den Eindruck, im Mittel­punkt stünde – neben der Sachkompetenz („Grundwissen“) vor allem die Methodenkompetenz, zuweilen wird auch im Zusammenhang mit schülerzentrierten Unterrichtsformen und Projektarbeit die Sozialkompe­tenz beleuchtet. Zu wenig Beachtung findet jedoch häufig die Selbstkompetenz. Natürlich ist sie – vor allem bei der Sozialkompetenz – implizit immer auch dabei, da sich das Selbstkonzept eines Menschen im­mer auch durch den Kontakt zu anderen definiert, aber gerade bei den Faktoren, die den so genannten „Schulerfolg“ bestimmen, werden Schüler/-innen oftmals auf ihre kognitive Leistung reduziert.

Daher streben wir an, das Anliegen des Kultusministeriums, die 5. Jahrgangsstufe als „Gelenkklasse“ zu ver­stehen, in einem ganzheitlichen Konzept umzusetzen.  Dazu gehört neben einer engen Absprache der Lehr­kräfte jeder Klasse vor allem die individuelle Beratung und Förderung  der Schüler/-innen über die rein kog­nitive Leistungsfähigkeit hinaus. Um dieses Anliegen weiter zu unterstützen, haben wir im Schuljahr 2010/11 erstmals die so genannte „Zwischenbilanz“ eingeführt. Dabei erhält jede/r Fünftklässler/-in zum Halbjahreszeugnis einen Fragebogen zur Selbstevaluation mit einem persönlichen Anschreiben, auch die Eltern werden informiert und um ihre Unterstützung gebeten. Einige Tage später führt der/der Klassenlei­ter/-in mit jedem Kind ein Feedbackgespräch (auf der Grundlage des Fragebogens und/oder darüber hin­aus), bei dem das Kind unterstützt wird, sich realistische Ziele zu setzen. Wichtig ist in dem Gespräch, dem Kind explizit auch seine Stärken aufzuzeigen. Ziele dieser Maßnahme sind

  • Stärkung des Selbstkonzepts jedes einzelnen Schülers / jeder einzelnen Schülerin
  • Förderung einer reflektierten Selbstwahrnehmung
  • Betonung eines ganzheitlichen Bildungsansatzes

Die vorgestellten  Schwerpunkte im Bereich des „umfassenden gymnasialen Bildungsauftrags“ zeigen viel­leicht schon, wie eng dieses Anliegen mit den anderen Elementen unseres Schulprofils zusammenhängen, insbesondere die individuelle Förderung und die Ganzheitlichkeit.


Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 06. November 2011 um 19:57 Uhr  

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