Das im Lehrplan formulierte Profil des G8, das die Vermittlung von Schlüsselkompetenzen auf der Basis eines fundierten Grundwissens als Vorbereitung auf Studium und Beruf vorsieht, stellt jede Schule vor die Aufgabe, die eigene Arbeit vor diesem Anspruch zu hinterfragen und gegebenenfalls neu daran auszurichten.
Als wir am CEG im Jahr 2003 den „umfassenden gymnasialen Bildungsauftrag“ explizit in unser Schulprofil aufgenommen haben, war es die Absicht zu betonen, dass die Orientierung an einem musischen Schwerpunkt nicht bedeutet, die naturwissenschaftliche und mathematische sowie die geisteswissenschaftliche Bildung an den Rand zu drängen, sondern auch in diesen Bereichen das Verständnis der Schülerinnen und Schüler zu vertiefen und Talente zu fördern.
Mit der Einführung des G8 und der Reform des Lehrplans mit seinem zugrunde liegenden konstruktivistischen Bildungskonzept stellte sich für uns die Frage: Was bedeutet die Neuausrichtung hin zu einem konstruktivistischen Bildungskonzept für unseren Anspruch, einen „umfassenden gymnasialen Bildungsauftrag“ zu erfüllen?
Folgende Kernelemente des G8-Lehrplankonzepts begreifen wir als wesentliche Herausforderungen für unsere Schulgemeinschaft - sowohl im Bereich des Unterrichts, aber auch der Schulorganisation und der gesamten Schulkultur:
- das Verständnis des Schülers als „Konstrukteurs“ seiner Wirklichkeit mit der Folge einer Erweiterung der Lehrerrolle: Berater und Partner
- eine damit verbundene deutliche Stärkung schülerzentrierter Unterrichtsformen (z.B. LdL), eigenverantwortlicher Projektarbeit und neuer Lehrkonzepte (z.B. Teamteaching)
- die Weitung des Horizonts über die Schule hinaus durch regelmäßige und vielfältige Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern
- eine fächerübergreifende Kompetenzorientierung, die sich nicht auf die Sach- und Methodenkompetenz konzentriert, sondern auch die Sozial-, vor allem aber die Personalkompetenz im Blick hat
- schließlich die praktische Verwirklichung der Grundlagen eines solchen Bildungskonzepts durch Individualisierung und Differenzierung, Ganzheitlichkeit und die bewusste Förderung von Kreativität in allen Bereichen
Seit der Einführung des G8-Lehrplans wird unter Lehrkräften schulübergreifend, teilweise gefördert durch offizielle Verlautbarungen, eine beinahe schon „ideologisch“ anmutende Diskussion geführt, ob bei der angestrebten Kompetenzorientierung nicht das „Grundwissen“ zu kurz käme. Daher schien der Beginn des G8 vorwiegend geprägt vom Erstellen von Grundwissenskatalogen durch einzelne Fachschaften, Gremien im ISB und Schulbuchverlage. Auch an unserer Schule einigten sich die Fachschaften jeweils auf ein Grundwissen pro Jahrgangsstufe, das im Lauf der Jahre immer weiter gefestigt werden sollte.
Die fachschaftsinternen und -übergreifenden Diskussionen an unserer Schule ließen jedoch rasch erkennen: „Grundwissen“ und „Kompetenzen“ dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden; vielmehr ist beides komplementär zu verstehen. Das Grundwissen begreifen wir als einen Kompetenzbereich, nämlich die „Sachkompetenz“.
Die Diskussionen mündeten im März 2010 schließlich in eine Pädagogische Gesamtkonferenz zum Thema „Fächerübergreifende Kompetenzvermittlung“. Ziel war es, den Prozess, der in einzelnen Fächern schon recht weit vorangeschritten war, auf andere Fächer zu übertragen und noch betonter fächerübergreifend zu denken und zu arbeiten. In einem Gruppenpuzzle wurden zunächst die Vorstellungen und Möglichkeiten der einzelnen Fächer zusammengetragen, um sie anschließend thematisch geordnet miteinander abzustimmen. Anschließend wurden im Plenum folgende Zielvereinbarungen getroffen:
- Einführung des „Leitfachprinzips“, das in der Unterstufe bestimmte Kompetenzen grundlegt, auf die die anderen Fächer dann Bezug nehmen können und sollen (z.B. Deutsch 5: Lesekompetenz, Latein 6: LdL)
- Einführung von Pädagogischen Klassenkonferenzen (zunächst für die Unterstufe) zu Beginn des Schuljahrs und zum Halbjahr, um Formen und Inhalte fächerübergreifender Zusammenarbeit zu vereinbaren, aber auch (im Blick auf die Bereiche der Personal- und Sozialkompetenz) um über einzelne Schüler/-innen und die Klassensituation zu sprechen.
- Stärkung des Doppelstundenprinzips, u.a. um mehr Zeit für schülerzentrierte Unterrichtsformen zu haben .
Am Ende des Schuljahrs 2011/12 soll eine Zwischenbilanz gezogen und anhand der Erfahrungen erörtert werden,
- ob die Pädagogischen Klassenkonferenzen auf die JGS 8-10 ausgeweitet werden sollen,
- ob das Doppelstundenprinzip weiter forciert werden soll,
- wie das fächerübergreifende Kompetenzmodell erweitert werden kann.
Ein Bereich, der an unserer Schule bereits traditionell fächerübergreifend und kompetenzorientiert ausgerichtet ist, ist die Projektarbeit und damit verbunden auch die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern. Mit der begrüßenswerten Einführung der P-Seminare in der Oberstufe rannte man bei uns „offene Türen“ ein, da es am CEG bereits viele Projekte gab, die über den „normalen“ Unterricht hinaus liefen und von Lehrkräften und Schüler/-innen oft in ihrer Freizeit durchgeführt wurden.
Ein signifikantes Beispiel dafür ist das Sozialpraktikum in unseren 10. Klassen, das in diesem Schuljahr zehnjähriges Jubiläum feierte und damit „älter“ ist als das in viele Schulen mittlerweile etablierte Wirtschaftspraktikum, das die Schüler/-innen bei uns in der 9. Klasse durchlaufen, das aber doch eine andere Zielrichtung verfolgt als das Sozialpraktikum.
Wir arbeiten dabei mit außerschulischen Partnern aus dem sozialen Bereich zusammen, wie z.B. der Caritas Erlangen, der Lebenshilfe, der Erlanger Tafel, der Bahnhofsmission, Krankenhäusern, Kindergärten usw. Die Schüler/-innen werden im Religions- und Ethikunterricht in die Thematik eingeführt und suchen sich aus einem breiten Angebot einen Praktikumsplatz für drei Tage aus. Anschließend werden die Erfahrungen im Deutsch- und im Religions-/Ethikunterricht schriftlich und mündlich reflektiert. Für viele Schüler/-innen sind die drei Tage existenziell neue Erfahrungen, da sie erstmals ihre „heile Welt“ verlassen und feststellen, wie viel soziale Not es vor ihrer Haustür gibt.
Neben dem Sozialprojekt und kleineren klasseninternen Projekten beteiligen sich einzelne Klassen immer wieder erfolgreich mit Gemeinschaftsarbeiten an Wettbewerben im naturwissenschaftlichen und musischen, aber auch im gesellschaftlich-politischen Bereich. So konnten in den letzten Jahren u.a. zwei Klassen jeweils einen Hauptpreis (einwöchige Klassenfahrten) beim Wettbewerb der Bundeszentrale für Politische Bildung gewinnen.
Eine wesentliche Bereicherung für unser Schulleben stellen die P-Seminare der Oberstufe dar, da die dabei geknüpften Kontakte zu außerschulischen Partnern oft bestehen bleiben und weitere kleinere Projekte nach sich ziehen (z.B. Ausstellung über unsere Schulgeschichte im Erlanger Stadtmuseum in Zusammenarbeit mit dem Schulmuseum Nürnberg).
Projektarbeit steht schließlich auch im Mittelpunkt unserer jährlich stattfindenden Aktionstage, die in der Regel von einzelnen Klassen oder der SMV initiiert und zusammen mit Eltern(beirat), Schulleitung und Lehrerkollegium organisiert und durchgeführt werden. Auch dabei werden stets zahlreiche außerschulische Partner für Einzelprojekte hinzugezogen. In den letzten Jahren konnten wir auf diese Weise gemeinsam einige Großprojekte, wie z.B. einen Erlangen weiten Fahrradaktionstag, einen Umweltprojekttag, einen Aktionstag „Schule ohne Rassismus“ stemmen.
Bei vielen Diskussionen über die Kompetenzorientierung am Gymnasium hat man den Eindruck, im Mittelpunkt stünde – neben der Sachkompetenz („Grundwissen“) vor allem die Methodenkompetenz, zuweilen wird auch im Zusammenhang mit schülerzentrierten Unterrichtsformen und Projektarbeit die Sozialkompetenz beleuchtet. Zu wenig Beachtung findet jedoch häufig die Selbstkompetenz. Natürlich ist sie – vor allem bei der Sozialkompetenz – implizit immer auch dabei, da sich das Selbstkonzept eines Menschen immer auch durch den Kontakt zu anderen definiert, aber gerade bei den Faktoren, die den so genannten „Schulerfolg“ bestimmen, werden Schüler/-innen oftmals auf ihre kognitive Leistung reduziert.
Daher streben wir an, das Anliegen des Kultusministeriums, die 5. Jahrgangsstufe als „Gelenkklasse“ zu verstehen, in einem ganzheitlichen Konzept umzusetzen. Dazu gehört neben einer engen Absprache der Lehrkräfte jeder Klasse vor allem die individuelle Beratung und Förderung der Schüler/-innen über die rein kognitive Leistungsfähigkeit hinaus. Um dieses Anliegen weiter zu unterstützen, haben wir im Schuljahr 2010/11 erstmals die so genannte „Zwischenbilanz“ eingeführt. Dabei erhält jede/r Fünftklässler/-in zum Halbjahreszeugnis einen Fragebogen zur Selbstevaluation mit einem persönlichen Anschreiben, auch die Eltern werden informiert und um ihre Unterstützung gebeten. Einige Tage später führt der/der Klassenleiter/-in mit jedem Kind ein Feedbackgespräch (auf der Grundlage des Fragebogens und/oder darüber hinaus), bei dem das Kind unterstützt wird, sich realistische Ziele zu setzen. Wichtig ist in dem Gespräch, dem Kind explizit auch seine Stärken aufzuzeigen. Ziele dieser Maßnahme sind
- Stärkung des Selbstkonzepts jedes einzelnen Schülers / jeder einzelnen Schülerin
- Förderung einer reflektierten Selbstwahrnehmung
- Betonung eines ganzheitlichen Bildungsansatzes
Die vorgestellten Schwerpunkte im Bereich des „umfassenden gymnasialen Bildungsauftrags“ zeigen vielleicht schon, wie eng dieses Anliegen mit den anderen Elementen unseres Schulprofils zusammenhängen, insbesondere die individuelle Förderung und die Ganzheitlichkeit.




